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Experte: "Der Bär kommt aus privater Haltung"

Bruno, der erste Braunbär, der sich seit 170 Jahren in Deutschland blicken ließ, wurde möglicherweise von Menschen ausgesetzt. Ein verdeckter Ermittler berichtete dem stern.de-Autoren Albert Eikenaar über den illegalen Handel mit wilden "Kuscheltieren".

Affen, Tiger, Krokodile, Wölfe, Panther - immer häufiger werden Wildtiere von Privatpersonen gehalten. Oft wissen die Besitzer nicht, wie sie ihre "Neuerwerbungen" artgerecht aufziehen können. Sie kaufen die Tiere spontan, solange sie noch jung und "kuschelig" sind. So gibt es europaweit auch einen Schwarzmarkt für Bären. Ein Netz von skrupellosen Händlern verkauft Tierliebhabern - manche sind arglos, die meisten sind sensationslüstern - kleine, süße "Teddybären".

Einmal ausgewachsen sind Bären nicht mehr zu handhaben, insbesondere nicht von Laien, die das Verhalten ihrer gefährlichen Haustiere nicht richtig einschätzen können. Menschen, die mit dem schwierigen, aggressiven Benehmen eines Tigers, Panters oder Bären konfrontiert werden, wissen sich dann oft nur noch so zu helfen: Sie lassen das frühere Kuscheltier frei - im Wald.

Nachschub aus dem Zoo

Frans Jongen, ein niederländischer Experte, der für eine Tierschutzorganisation verdeckt in der Branche der Tierhändler ermittelt, ist davon überzeugt, dass "Bruno", der Bayern und Tirol unsicher macht, aus privater Haltung stammt. "Wegen seiner Aggressivität hat der Besitzer ihn einfach laufen lassen", sagt Jongen. Er könne jedoch auch aus einem Tiergehege entflohen sein. Der Bär zeige jedenfalls keine Scheu. Daraus lasse sich schließen, dass er Menschen gewohnt sei - also in einem Tierpark oder bei Privatleuten gelebt habe. "Ich glaube nicht, dass er aus Südtirol nach Deutschland auswanderte", meint der Experte. Jongen wundert sich, dass die Behörden bislang nicht an diese Möglichkeit gedacht haben.

Seinen Ermittlungen zufolge beziehen die Schwarzhändler ihre lebende Ware regelmäßig von Kleinzoos. Diese Zoos würden nicht ausreichend kontrolliert und zum Teil illegal züchten - den Überschuss an Babytieren verscherbeln sie dann auf dem Schwarzmarkt. "Die Tiergartenchefs lassen die Jungtiere gern von zwielichtigen Zwischenpersonen entsorgen. Und drücken dabei ein Auge zu. Was sie nach außen hin vehement bestreiten", sagt Jongs. Dabei müsste jeder Zoobesitzer wissen, dass diese Händler gegen alle Vorschriften verstießen.

An Restaurants verfüttert

Auch mit älteren Tieren werde gehandelt. Für betagte Zootiere, die Besucher nicht mehr amüsieren, gibt es keinen Lebensraum. Sie werden an einen Profikiller verkauft, der sie tötet und ihre Felle für viel Geld verkauft. Das Fleisch geht an Spezialrestaurants. Auch dass sei verboten, sagt Jongs, aber trotzdem Praxis. Europaweit.

Albert Eikenaar
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