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Fischerei: Artensterben in der Tiefe

Die Weltmeere gelten bereits seit Jahren als überfischt. Auf der Suche nach neuen Fanggründen hat die Fischerreiindustrie ihre Netze in immer tiefere Meeresregionen gebracht. Mit verheerenden Folgen.

Die Umweltorganisation Oceana, die sich den Schutz der Weltmeere zum Ziel gesetzt hat, berichtet, dass viele Fischarten der tieferen Meeresregionen nach nur 15 Jahren Tiefseefischerei jetzt schon überfischt oder sogar bereits ausgerottet sind. Ricardo Aguilar, Projektleiter und Forschungsdirektor bei Oceana sagt: "Weil die langlebigen Tiefseespezies eine lange Reproduktionszeit haben und erst spät zur Geschlechtsreife gelangen, sind sie sehr verletzlich."

Lange Reproduktionszeiten

Der Atlantische Sägebauch beispielsweise erreicht ein Alter von bis zu 150 Jahren, manche Tiefsee-Haie werden 80 Jahre alt. Angesichts solch langer Lebensspannen reagieren viele Arten äußerst empfindlich auf die Dezimierung ihrer Bestände.

So haben seit Beginn der Tiefseefischerei viele Individuen dieser Arten noch nicht einmal die Geschlechtsreife erlangt. Es kann daher passieren, dass mit einem einzigen Fischzug mehrere Generationen einer Art auf einen Schlag gefischt werden - ein herber Schlag für das Fortbestehen einer Art. Im Falle der Tiefsee-Haie, die lebendgebärdend sind, werden mit dem Fang eines trächtigen Hai-Weibchens gleich zwei Generationen aus der Reproduktionskette herausgenommen.

Oceana fordert daher strikte Fangquoten. Die 45.000 Tonnen an gefangenem Tiefseefisch, die für das Jahr 2005 erwartet werden, sind in den Augen der Meeresschützer weit über dem, was die empfindlichen Arten vertragen können.

EU berät über Fangquote

Arten wie der Atlantische Sägebauch und der Blaue Lengfisch haben nach Angaben von Oceana bereits mehr als 80 Prozent ihres Bestandes in manchen Populationen verloren. Die Nationen, die im Jahre 2003 am extensivsten Tiefseearten gefischt haben sind Norwegen (46.580 Tonnen), Island (31.789 Tonnen), Faroe-Inseln (15.354 Tonnen), Frankreich (14.389 Tonnen) und Spanien (10.130 Tonnen, Zahlen nach ICES (International Council für the Exploration of the Seas).

Derzeit wird im EU-Parlament die Fangquote für das Jahr 2005 debattiert. Eine Entscheidung darüber wird vorraussichtlich am 21. oder 22. Dezember fallen.

Von Jens Lubbadeh