FOSSILER SCHÄDELFUND Evolutionsgeschichte in Frage gestellt


Französische Wissenschaftler haben im Tschad die bisher älteste Spur menschlicher Entwicklung entdeckt. Der gefundene Schädel weist Merkmale von Mensch und Affe auf.

Der Fund eines sieben Millionen Jahre alten Schädels sowie von Zähnen und Teilen von Kieferknochen in Zentralafrika könnte die bislang älteste Spur menschlicher Entwicklung sein. Das Alter des Fossils, die körperliche Beschaffenheit und der Fundort stellten die Erkenntnisse der menschlichen Evolutionsgeschichte in Frage, erklärten die Wissenschaftler am Mittwoch bei der ersten öffentlich Stellungnahme zu dem Fund.

Schädel bereits vor einem Jahr im Tschad entdeckt

Ein Forscherteam unter Führung französischer Paläontologen entdeckte den Schädel bereits vor einem Jahr in einem entlegenen Wüstenstreifen in Tschad. Einzelheiten der Entdeckung werden am Donnerstag im Fachmagazin »Nature« veröffentlicht werden.

Ältester menschenähnlicher Knochen

Der Schädel, dem Wissenschaftler den Namen Toumai gaben, habe überraschenderweise ein moderneres Gesicht als ein Fund von 1975 in Äthiopien, der bisher mit einem Alter von 3,5 Millionen Jahren als ältester bekannter Schädel eines Urahn des Menschen galt. Die Knochen des Toumai-Exemplares - wissenschaftlich Sahelanthropus tchadensis genannt - könnte zudem noch eine Million Jahre älter sein als bisherige Funde menschenähnlicher Knochen.

Der Schädel falle in die Epoche, in der sich vor etwa fünf und sieben Millionen Jahren langsam die Trennung von Mensch und Affe vollzog, vermuten die Forscher. Nach dem erstaunlichen Fund könnte diese Epoche jedoch noch früher angebrochen sein.

Theorien in Frage gestellt

Der Schädel stelle zudem die Vermutung in Frage, dass nur östlich des ostafrikanischen Grabensystem menschliche Vorfahren entstanden seien, während auf der Westseite ausschließlich Affen gelebt hätten. Auf der Ostseite des Tals hätten die menschenähnlichen Wesen auf Grund der wenigen Bäume keine andere Wahl gehabt, als aufrecht zu laufen, lautet die gängige Theorie. Die westliche Seite des Tals sei aber mit üppiger Baum- und Pflanzenwelt für Affen prädestiniert gewesen, die sich in den Bäumen aufhielten, aber nicht weiterentwickelt hätten.

Fund ist mehr als eine Kuriosität

Der Toumai-Schädel, der rund 2.500 Kilometer westlich der früheren Fundstellen entdeckt wurde, sehe zwar einem modernen Schimpansen ähnlich und verfüge über das gleiche Gehirnvolumen, aber die kleineren Zähne seien dem Menschen ähnlicher, erklärte Harvard-Anthropologe Dan Lieberman. Der Fund sei mehr als eine Kuriosität. Lieberman verwies auf die Entdeckung eines »Affenmenschen« 1920 im Süden Afrikas, der erstmals die These Charles Darwins unterstützt habe, dass die tiefsten Spuren der menschlichen Entwicklung auf dem Schwarzen Kontinent zu finden seien.


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