Fossilienfund Urschlange kroch übers Land


Entwickelten sich Schlangen im Wasser oder an Land? Über diese Frage streiten sich Forscher schon seit Jahrzehnten. Jetzt ist der versteinerte Beweis gefunden worden, dass vor 90 Millionen Jahren Schlangen in Erdlöchern hausten.

Forscher haben die versteinerten Überreste einer Schlange entdeckt, die zwei Beine hatte. Der Fund könnte ein Indiz dafür sein, dass Schlangen sich am Land statt im Wasser entwickelt haben. Das Kriechtier habe vor rund 90 Millionen Jahren in der argentinischen Region Patagonien gelebt, sagte Hussam Zaher von der Universität Sao Paulo in Brasilien, der in dem Wissenschaftsmagazin "Nature" über die Entdeckung berichtet. Wie groß das Tier gewesen sei, sei nicht bekannt.

Es sei das erste Mal, dass Wissenschaftler eine Schlange mit einem Kreuzbein gefunden hätten, das das Becken stütze, erklärte Zaher. Sie fülle damit eine wichtige Lücke in der Evolution der Schlangen. Der Knochen habe sich bei der Entwicklung von Eidechsen zu Schlangen zurückgebildet. Bei heute lebenden Schlangen beschränkt sich das Skelett auf Schädel, Wirbel und Rippen. Lediglich bei einigen primitiven Arten wie den Riesenschlangen findet man Reste von Becken und Oberschenkel.

Sie lebte eindeutig an Land

Die Urschlange habe eindeutig an Land gelebt, sagte Zaher: Zum einen lasse ihre Anatomie darauf schließen, dass sie in Erdlöchern gehaust habe. Ein weiterer Hinweis sei, dass die Ablagerungen, in denen das Fossil gefunden wurde, aus einer Bodensubstanz bestünden. Wenn also die älteste bekannte Schlange an Land lebte, lässt sich Zaher zufolge vermuten, dass Schlangen sich an Land entwickelten.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Schlangen aus vierbeinigen Eidechsen entstanden, indem sich die Beine über die Zeit zurückbildeten. Strittig ist, ob diese Ur-Eidechsen an Land oder im Wasser lebten. In den vergangenen Jahren habe es wenig neue Erkenntnisse in dieser Diskussion gegeben, erklärte Zaher. "Diese Schlange ist definitiv ein neuer Startpunkt", sagte der Wissenschaftler. Der vermutliche Urtyp hatte noch zu kleine Hinterbeine, er kroch dennoch wie eine heutige Schlange. Offenbar habe das Tier die Beine nur bei Bedarf genutzt, wenn auch noch nicht klar sei, zu welchem Zweck, erklärte Zaher.

"Ein wundervolles Tier"

Das Wesen mit dem Namen Najash rionegrina sei "ein wundervolles Tier", sagte Jack Conrad, Forscher am American Museum of Natural History in New York und Co-Kurator einer geplanten Ausstellung über Schlangen und Eidechsen. "Der Fund hilft uns, die Debatte über die Entstehung von Schlangen zu beenden." Er habe sich bisher nicht auf eine Seite geschlagen, aber der Fund beginne ihn zu überzeugen.

Der Fossilienexperte Olivier Rieppel aus Chicago sagte, wenn Schlangen an Land entstanden seien, könnten die fossilen Belege nicht komplett sein, da sich die frühen Fossilien besser im Wasser halten würden statt an Land. Das wiederum lasse vermuten, dass "wir nicht alle Abstammungslinien der frühen Schlangenevolution kennen". Möglicherweise hätten einige Arten die Beine ihrer Eidechsen-Vorfahren unabhängig davon verloren. Der Name der Urschlange, Najash rionegrina, besteht aus dem hebräischem Wort für Schlange und dem Ort in der argentinischen Provinz Rio Negro, in der das Fossil gefunden wurde.

AP/DPA AP DPA

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