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Fraunhofer-Institut: MP3 und "denkender Ball"

Hier wurde MP3 geboren, bevor es seinen Siegeszug um die Welt antrat. Und von hier kommt der Funkball für die WM 2006: Deutschlands Ideenschmiede Nummer 1, das Fraunhofer-Institut in Erlangen, wird zwanzig Jahre alt.

Mit der Entwicklung des MP3-Musikformats ist das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen weltweit bekannt geworden. Doch die Forscher haben schon das nächste imageträchtige Projekt in Vorbereitung: Den mitdenkenden Ball, der möglicherweise bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland eingesetzt wird. Derzeit läuft für den mit einem Minisender ausgestatteten Ball die Erprobungsphase. Wenn alles klappt, wird künftig mittels Funksignal festgestellt, ob der Ball wirklich hinter der Torlinie war. Doch unabhängig davon, wie die Tests ausgehen - das Fraunhofer IIS, das sich als Ideenschmiede für die Wirtschaft versteht und in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen feiert, plant kräftiges Wachstum.

"Impulsgeber für die Wirtschaft"

Mit 450 Beschäftigten und einem Budget von 52 Millionen Euro ist das IIS nach Angaben von Sprecherin Martina Spengler das größte Institut in der Fraunhofer-Gesellschaft. Die Chip-Spezialisten beschäftigen sich mit dem digitalen Rundfunk ebenso wie mit digitaler Kinotechnik, mit Satellitennavigation oder Medizintechnik. "Wir verstehen uns als Impulsgeber für die Wirtschaft", erläutert Institutsleiter Prof. Heinz Gerhäuser. Das Budget wird denn auch - bis auf eine Grundfinanzierung in Höhe von 20 Prozent - aus der Auftragsforschung finanziert.

"Von Erlangen aus werden sehr viele Projekte für internationale Kunden betreut", erläutert Gerhäuser. Wissenschaftler und Studenten aus rund 40 Nationen arbeiten im IIS zusammen. Mehr als 300 von ihnen sind am Hauptsitz in Erlangen beschäftigt. Neue internationale Standards für die Audiocodierung und hochauflösende Kameratechnologie für das digitale Kino nennt Gerhäuser als künftige Forschungsschwerpunkte. Auf dem Gebiet der Medizintechnik ist eine engere Vernetzung mit den Hochschulfakultäten geplant. Um die Aktivitäten örtlich zu konzentrieren, sollen die Büro- und Laborkapazitäten sollen verdoppelt werden.

Dresden ist Standort für Mikroelektronik

Auch die Außenstellen in Nürnberg, Fürth und Dresden werden ausgebaut. Der Standort Nürnberg werde sich in den nächsten Jahren zum eigenständigen Fraunhofer-Institut entwickeln, berichtete Spengler. Die Mitarbeiterzahl soll um 20 auf 80 aufgestockt werden. Die Wissenschaftler arbeiten an Technologien für autarke und autonome Systeme: Das können Roboter für die Industrie oder auch große Sensornetzwerke etwa für die drahtlose Patientenüberwachung im Krankenhaus sein.

In Fürth, wo etwa 25 Mitarbeiter beschäftigt sind, entsteht den Angaben zufolge zusätzlich zur Röntgenprüftechnik ein neues Entwicklungszentrum, das Röntgentechniken für die Prüfung von Werkstoffen der Luft- und Raumfahrt entwickeln soll. Am Mikroelektronikstandort Dresden (50 Mitarbeiter) schließlich soll die Außenstelle neue Methoden und Werkzeuge für die Entwicklung integrierter Schaltungen und Systeme in der Nanotechnologie schaffen. "Diese Entwicklungen lassen an allen Standorten des Fraunhofer IIS direkte und indirekte Arbeitsplätze entstehen", erklärt Sprecherin Martina Spengler.

Das 20-jährige Bestehen wird gemeinsam mit dem Schwesterinstitut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie (IISB) in Erlangen gefeiert. Hier beschäftigen sich rund 100 Mitarbeiter mit der Mikro- und Nanoelektronik etwa für Handy, Computer oder Auto - angefangen von der Materialentwicklung in Form von hochreinen Halbleiterkristallen oder dünnsten Schichten, die nur wenige Atome dick sind, über winzige Transistoren und andere elektronische Bauelemente bis hin zur Computersimulation und Fertigungstechnik. "In einem Prozessor mit mehreren hundert Millionen Transistoren darf kein einziges Bauelement ausfallen - eine solche Anforderung an Präzision findet man in keinem zweiten Industriezweig", erläutert Bernd Fischer vom IISB.

Stephan Maurer, DPA