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Gletscherschmelze: Frischhaltefolie für Gletscher

Um einen schweizer Gletscher vor weiterer Schmelze und die Umsätze des Pistenbetriebes vor weiteren Einbrüchen zu schützen, wurde eine riesige Folie auf dem Eisberg verlegt. Greenpeace spricht von einem "Pflästerli".

Teile des Gurschengletscher bei Andermatt werden diesen Sommer auf ungewöhnliche Weise vor der Schmelze geschützt: Ungeachtet der Kritik von Umweltverbänden wurden am Dienstag auf dem Gletscher rund 3.000 Quadratmeter Folie ausgelegt.

Schutz vor UV- und Wärmestrahlung

Die Abdeckung hüllt die ganze Rampe von der Bergstation zum 2.000 Meter hoch gelegenen Gurschengletscher, Felspartien und Firn beim Abgang zum Gletscher ein. Die Schnee- und Eisschicht wird damit vor Wärmeeinstrahlung und UV-Strahlen geschützt. Im Herbst soll das weiße Vlies, das ursprünglich aus dem Straßenbau stammt und für diesen Versuch weiterentwickelt worden ist, wieder entfernt und bis zum erneuten Einsatz im folgenden Sommer eingelagert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 30.000 Franken (knapp 20.000 Euro), wie Urs Elmiger, Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied der Andermatt Gotthard Sportbahnen AG, sagte.

Die Abdeckung des Gletschers wurde laut Elmiger erforderlich, weil der Gurschengletscher in den vergangenen 15 Jahren geschmolzen ist und deshalb ab der Bergstation rund 20 Meter an Höhe verloren hat. Nur mit enormem Arbeitseinsatz und Maschinenaufwand sei es dem Pistendienst bisher gelungen, eine Abfahrt zu Saisonbeginn herzurichten. Hinzu kommen mussten aber noch Schneefällen im Oktober und November - eine künstliche Beschneiung ist nicht möglich.

Kostspielige Symptombekämpfung

Die Umweltverbände kritisierten die Abdeckung des Gletschers. Pro Natura rief die Bergbahnbetreiber dazu auf, Klimaschutz statt Verpackungskunst zu betreiben. Für den WWF Schweiz zeigt das Beispiel aus Andermatt, wie kostspielig symptombekämpfende Maßnahmen werden können. Mit kleinen "Pflästerli" sei dem Problem Gletscherschwund nicht beizukommen, kritisierte Greenpeace. Übereinstimmend wiesen die Organisationen darauf hin, dass nur eine wirksame Klimapolitik die Zukunft der Schweizer Skigebiete sichern könne.

AP

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