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Kommerzielle Raumfahrt: Mit dem Raumgleiter bequem ins All

Die Experten des Bremer Raumfahrtkonzerns EADS Space Transportation setzen alle Hoffnungen auf ihr neu entwickeltes Flugmodell "Phoenix" - eine 1:7-Nachbildung des künftigen wiederverwendbaren Raumgleiters "Hopper".

Vision 2045: Im Weltraumbahnhof warten Touristen auf ihren Flug mit dem Raumgleiter "Hopper" zum Weltraumhotel in 500 Kilometer Höhe. Für die Experten des Bremer Raumfahrtkonzerns EADS Space Transportation ist dies nicht nur ein Traum. Sie setzen die Hoffnungen auf ihr neu entwickeltes Flugmodell "Phoenix" - eine 1:7-Nachbildung des künftigen wiederverwendbaren Raumgleiters "Hopper". "Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns", sagt Gerhard Schneider, Director Strategy & Marketing bei EADS.

Der Raumgleiter hat keine Triebwerke

"Phoenix" sieht aus wie ein überdimensionaler Buckelwal mit großer Schwanzflosse. Das sieben Meter lange Modell durchläuft derzeit die ersten Versuche im Windkanal der DNW - German-Dutch Wind Tunnels im niederländischen Emmeloord. Getestet wird das Landeverhalten bei verschiedenen Windgeschwindigkeiten. "Der unbemannte Raumgleiter hat keine Triebwerke, sondern muss wie ein Segelflugzeug landen", erklärt Phoenix-Projektleiter Jörg Bolz. "Man hat nur eine Landung und muss die Landebahn exakt treffen."

Erster Probeflug ist 2004 geplant

Der Wind bläst mit 40, 60 und 70 Meter pro Sekunde durch den Kanal. Der Bug wird mit verschiedenen Neigungswickeln gegen den Wind gestellt. Im Kontrollraum zeichnen unzählige Monitore Kurven und Zahlenkolonnen auf. "Wir sind mit den Kurven zufrieden", freut sich DNW-Director Georg Eitelberg. "Phoenix verhält sich so, wie wir das in etwa vorausberechnet haben." Bis zum Frühjahr 2004 durchläuft "Phoenix" noch mehrere Testprogramme. Die erste Flugerprobung im freien Fall ist im Sommer in Nordschweden geplant. Dabei wird das Raumgleitermodell von einem Hubschrauber in 2400 Meter Höhe gebracht und ausgeklinkt.

Bis in 130 km Höhe

Der "Hopper" wird später nach Angaben von Prof. Stefan Levedag vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen Raketenantrieb haben und von der Startbahn wie ein Flugzeug starten. Dann werde er senkrecht bis in eine Höhe von 130 Kilometern jagen und dort die Nutzlast aussetzen. "Anschließend fliegt er automatisch zurück und landet nach kurzer Zeit wieder auf der Erde."

Budget umfasst 16 Millionen Euro

Am Projekt "Phoenix" beteiligt sind neben EADS die Bremer OHB System GmbH und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das Budget umfasst nach EADS-Angaben rund 16 Millionen Euro, davon übernimmt das Land Bremen 4,3 Millionen Euro.

"Wir stehen vor einem Quantensprung"

Wiederverwendbare Raketen beschäftigen nach Schneiders Angaben seit etwa 50 Jahren die Weltraumexperten. "Bis heute gibt es kein echtes wiederverwertbares Transportmittel ins All." Auch das US- Shuttle sei nicht vollständig erneut einsetzbar und mit 30 Jahre alter Technologie entwickelt. "Wir stehen vor einem Quantensprung, einen Träger zu schaffen, der startet und landet wie ein Flugzeug."

Einsatz in 15 bis 20 Jahren?

Frühestens 2009 fällt laut Schneider die Entscheidung über das endgültige Konzept. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der "Hopper" in 15 bis 20 Jahren mit jedem Flug 7,5 Tonnen Material in den Weltraum bringen. "Und das wesentlich kostengünstiger als bisher." Heute würden Startkosten je Kilo von bis zu 20 000 Euro berechnet. Dies ließe sich mit wiederverwendbaren Transportmitteln auf ein Drittel bis ein Fünftel reduzieren.

Vera Jansen

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