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Zur Fortpflanzung: Leuchtpilze locken nachts Insekten an

Ein natürliches Leuchten, oder Biolumineszenz, ist besonders im Tierreich öfter anzutreffen. Doch auch Pflanzen nutzen den strahlenden Effekt: Brasilianische Leuchtpilze verbreiten so ihre Sporen.

Wenn es Nacht wird im brasilianischen Kokoswald, beginnen einige Pilze grünlich zu leuchten. Sie locken auf diese Weise Insekten an, die dann ihre Sporen verbreiten, berichten Wissenschaftler aus Brasilien und den USA im Fachblatt "Current Biology". Die Biolumineszenz ist rhythmisch gesteuert. Die Pilze verwenden also nur dann Energie auf die Produktion des Lichts, wenn es auch sichtbar ist.

Von den insgesamt 100.000 beschriebenen Pilzen leuchten gerade mal 71 Arten, schreiben die Forscher. Neonothopanus gardneri gehört zu den größten und am hellsten leuchtenden Arten. Der Pilz wächst in den Kokoswäldern Brasiliens am Fuße der Palmen. Bisher nahmen viele Fachleute an, dass Leuchtpilze rund um die Uhr ihr Licht produzieren, auch wenn es tagsüber nicht sichtbar ist.

Leuchtintensität variiert

Die Forscher um Anderson Oliveira von der Universität São Paulo (Brasilien) zeigten nun, dass der Pilz Neonothopanus gardneri sein Licht rhythmisch aussendet, dass also die Leuchtintensität im Verlauf eines Tages zu- und wieder abnimmt. Um Licht zu erzeugen, müssen der Leuchtstoff Luciferin und das Enzym Luciferase unter Sauerstoffbeteiligung miteinander reagieren. Das Luciferin wird dabei zur Aussendung eines Lichtteilchens angeregt.

Die Tatsache, das der Pilz das Leuchten reguliere, spreche dafür, dass es eine Funktion besitze - und nicht bloß ein Abfallprodukt seines Stoffwechsels sei, vermuteten die Wissenschaftler nach ihrer Untersuchung. Um herauszufinden, was diese Funktion sein könnte, machten sie ein weiteres Experiment: Sie bastelten Kunstpilze aus Acrylharz, die im Inneren ein kleines, grünlich leuchtendes LED-Lämpchen hatten.

Sporen werden durch Insekten verbreitet

Dann brachten sie diese Kunstpilze und - zur Kontrolle - solche ohne LED-Lampe an einem Baumstamm an und beobachteten, was geschah. Rund um die leuchtenden Kunstpilze versammelten sich nun unzählige Insekten, viel mehr als um die nicht-leuchtenden Kontrollpilze. Die Wissenschaftler fanden Käfer, Mücken, Fliegen, Wespen, Ameisen und andere kleine Krabbler. Von allen beobachteten Insekten ist bekannt, dass sie grünes Licht sehen können.

"Es scheint so zu sein, dass die Pilze Licht machen, um von Insekten gesehen zu werden, die dann dem Pilz helfen, neue Gebiete zu besiedeln", erläutert Cassius Stevani, einer der beteiligten Forscher von der Universität São Paulo. Die Insekten übernehmen damit die Aufgabe des Windes, mit dem die Sporen einiger anderer Pilzarten verbreitet werden. Da es unter dem Dach des Waldes nur wenig Wind gebe, seien die Insekten für die Verbreitung der Pilze sehr hilfreich.

amt/DPA / DPA
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