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Gutes aus dem Küchengarten: Wie verstrahlt sind unsere Pilze?

Tschernobyl ist zwar lange her, doch die Belastung mit Cäsium 137 ist noch immer nicht vom Tisch. Angelika Wohofsky sagt, welche Pilze auf jeden Fall zu meiden sind.

Seit einiger Zeit fallen mir Meldungen zu möglichen Schadstoffbelastungen in Gärten und Lebensmitteln auf. Vom Urban Gardening Projekt in Berlin Tempelhof weiß ich, dass man vor Umsetzung des Projektes Bodenproben nahm. Um abzuklären, was gärtnerisch möglich ist, und keine Gesundheitsgefährdung darstellt.

Gleichzeitig fielen mir in der Vergangenheit öfter einmal Informationen zu radioaktiver Belastung von Pilzen und Wildfleisch auf. Recherchiert man hier nach, könnte einem beinahe übel werden. Denn Tschernobyl ist zwar ein Vierteljahrhundert her, die Cäsium 137-Belastung stellt aber immer noch ein Thema dar.

Studien in Deutschland sagen, Schweinsohren sind hoch belastet. Foto: Wohofsky-Images

Besonders bedenklich kommt mir der Umstand vor, dass in der Zwischenzeit eine neue Generation herangewachsen ist, die Tschernobyl nicht erlebt hat. Die aber jetzt gärtnert und im Wald Pilze sammelt und Wildkräuter verwendet. Wer von uns Alten, die in den 1980ern ihr Abitur machten, weiß heute noch genau über die Belastungszonen vom Mai 1986 Bescheid? Ehrlich, auch ich musste mir diese Regionen wieder ins Bewusstsein rufen.

Also recherchierte ich im Netz, was es dazu gibt. Mein Erstaunen war groß. Für Deutschland lassen sich gute Daten finden, die Aufschluss über die Belastung von Lebensmitteln, Pilzen und Wildfleisch geben. Selbst vergleichende Daten von Mess-Stationen, beispielsweise in Südbayern, stehen im Netz. Gemeinsam mit einer Liste von zu vermeidenden Pilzen. Da deren Belastung mit Cäsium 137 noch enorm hoch ist.

Für Österreich war die erste Recherche ernüchternd. Da gibt es nichts. Eine Karte steht im Netz, vom Umweltbundesamt. Die zeigt, wo die hohen Belastungszonen waren, und an welchen Orten Messungen vorgenommen wurden.

Also rufe ich dort an, will wissen, wie es um das Cäsium in Österreich und meinem Wohnbezirk so steht. Man verweist mich zur AGES. Dort werde ich weiterverbunden in ein Labor nach Innsbruck. Die meinen, sie gäben keine Daten heraus, ich hätte mich an die Pressestelle, wieder in Wien, zu wenden, was ich infolge auch tat. Und hier die Überraschung: Auch die Pressestelle gibt nicht so ohne Weiteres ihre Daten heraus – "Na super, wurscht ob ich als Journalistin oder als Verbraucherin dort anrufe. Ich bekomme keine aktuellen Daten!". Ich müsste schriftlich anfragen. Eine Infobroschüre scheint es nicht zu geben.

Auch Habichtspilze sollen mit Cäsium 137 hoch belastet sein. Foto: Wohofsky-Images

Also halte ich mich vorerst an die Empfehlungen der Deutschen. Dort heißt es, Maronen, Reifpilz, Trompetenpfifferlinge, Habichtspilz sowie Schweinsohren sind zu meiden. Mit Steinpilzen und Pfifferlingen sieht die Situation besser aus. Parasole sind beinahe Cäsium frei. Man könne sie essen. Trotzdem, Maßhalten ist angesagt.

Wer für Österreich wissen will, wo die intensiv belasteten Zonen liegen, der findet hier die Karte dazu. Die Deutschen dürfen sich unter beispielsweise diesem Link dazu informieren. Währenddessen warte ich auf die Antwort meiner schriftlichen Anfrage.