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Madagassische Exotin: Zum Sterben schön

Tragisch, aber spektakulär verläuft das Leben einer bislang unbekannten Riesenpalme, die Wanderer auf Madagaskar entdeckt haben. Die Pflanze verwendet so viel Energie darauf eine einzige Blüte hervorzubringen, dass sie daran stirbt.

Es ist die größte Palme, die je auf Madagaskar entdeckt wurde, und obendrein eine der größten Blütenpflanzen der Welt. 18 Meter Höhe misst der Stamm, auf dem ein üppiger Blattschopf von fünf Metern Durchmesser sitzt. Die gigantische Erscheinung ist allerdings nicht das einzig verblüffende an dem Gewächs. Ungewöhnlich spektakulär verläuft das Leben der "Tahina spectabilis", wie der Botaniker John Dransfield in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Botanical Journal of the Linnean Society" (Bd. 156) berichtet.

Selbstmord mit Blüte

Nachdem die Palme in schwindelerregende Höhe gewachsen ist, sprießen Äste mit hunderten winziger Einzelblüten aus dem Schopf, aus denen sich Früchte entwickeln. Dafür muss die Pflanze allerdings ihre gesamten Nährstoffreserven aufbrauchen, so dass sie sich wahrhaft zu Tode blüht. Erschöpft bricht der komplette Baum mitsamt Früchten zusammen und findet ein schnelles Ende.

Wanderer hatten die Palme im Nordwesten Madagaskars entdeckt und Fotos davon an Dransfield, den Co-Autoren des "Field guide to the Palms of Madagascar" geschickt. Warum das riesige Gewächs mit dem auffälligen Blütenstand nicht schon früher entdeckt worden ist, war eine der ersten Fragen, die Dransfield beschäftigte, als er den Fund begutachtete. Er schloss daraus, dass der kurzen, spektakulären Blüte eine lange Phase des unauffälligen Wachstums vorausgeht. Die Palme ist so groß, dass man sie sogar auf Google Earth ausfindig machen kann.

Genetische Untersuchungen

Eine Pflanze mit ähnlich ungewöhnlichem Lebenszyklus gibt es auf ganz Madagaskar nicht, weshalb der Wissenschaftler zunächst annahm, dass er es mit einem Verwandten der großen Talipot-Palme aus Sri Lanka zu tun hatte. Genetische Untersuchungen von Blattproben in einem Labor der Royal Botanical Gardens Kew ergaben dann aber, dass sie zu den Chuniophoeniceen, einer Unterfamilie der Arecaceen, gehört. Die nächsten Verwandten wären damit in China, Thailand und Arabien zu finden.

Wie viele Exemplare auf der Insel selbst existieren, ist unklar. Botaniker schätzen, dass es weniger als hundert sind, auch weil die Palme hohe Ansprüche an ihren Standort zu haben scheint: Das neu entdeckte Exemplar steht am Fuße eines Kalksteinüberhangs in der Hügellandschaft des Analalava-Distrikts, wo acht Monate im Jahr kein Regen fällt und die durchschnittliche Temperatur 27 Grad Celsius beträgt. Der Boden ist tiefgründig und fruchtbar und wird saisonal überflutet. Das zum Fundort nächstgelegene Dorf hat deshalb schon ein Komitee zum Schutz der Palme gegründet, und eine Streife zur Sicherung der Gegend aufgestellt. In Zusammenarbeit mit den Royal Botanical Gardens und der Millennium Seed Bank soll eine Strategie zum Verkauf der Samen entwickelt werden, um den Schutz zu finanzieren und gleichzeitig eine weite Verbreitung der Palme in botanischen Gärten und Pflanzenzüchtungen zu gewährleisten.

wüs/DDP

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