Mathematik Eine-Million-Dollar-Rätsel womöglich geknackt


Grigori Perelman hat möglicherweise eines der schwierigsten Probleme der Mathematik gelöst. So schwierig, dass manche den Russen für den "intelligentesten Menschen der Welt" halten. Doch Perelman interessieren weder Ruhm noch Geld.

Die Pioncaré-Vermutung, ein geometrisches Problem, zu beweisen, galt als eine der größten Herausforderungen der Mathematik. Der 40-jährige Russe Grigori Perelman hat diese Aufgabe, an der sich schon Generationen von Mathematikern vergeblich die Köpfe zerbrochen hatten, möglicherweise bewältigt.

Nun könnte er sich berechtigte Hoffnungen machen, die für die Lösung des Problems von der amerikanischen Clay-Stiftung ausgelobte Belohnung von einer Million Dollar zu erhalten. Doch Geld, sowie Ruhm, scheinen Perelman nichts zu bedeuten: Auf dem Internationalen Mathematikerkongresses ICM 2006, wo sich Perelman als unumstrittener Star von 5000 Mathematikern aus aller Welt feiern lassen könnte, wird er wahrscheinlich durch Abwesenheit glänzen.

Anwärter auf die Fields-Medaille

Die Veranstalter des Kongresses, der an diesem Dienstag in Madrid eröffnet wird, schickten mehrere Einladungen nach St. Petersburg, aber sie erhielten keine Antwort. "Es besteht praktisch keine Hoffnung, dass Perelman in Madrid erscheint", schreibt die spanische Zeitung "El País". Aber auch als Abwesender könnte der Russe in Madrid eine wichtige Rolle spielen: Er wird bei der Vergabe der renommierten Fields-Medaillen als Favorit gehandelt. Die Medaillen gehören zu den wichtigsten Auszeichnungen für Mathematiker und werden oft mit dem Nobelpreis verglichen.

Die Poincaré-Vermutung, die der große französische Mathematiker Henri Poincaré (1854-1912) vor rund 100 Jahren aufgestellt hatte, ist so kompliziert, dass sie nicht nur für Laien unverständlich ist, sondern auch die Künste vieler Experten übersteigt. Es geht dabei um die Frage, wie die Oberfläche von vierdimensionalen Körpern beschaffen ist. Das Thema hat weit reichende Bedeutung: Experten erhoffen sich davon Rückschüsse auf die Beschaffenheit des Universums.

Seit Jahren von der Bildfläche verschwunden

Mehrere Mathematiker hatten bereits geglaubt, den Nachweis erbracht zu haben, mussten aber später Fehler eingestehen. Perelman könnte das Jahrhundertproblem gelöst haben. Er schloss sich daheim in St. Petersburg jahrelang ein, bis er 2002 und 2003 seine Rechnungen im Internet veröffentlichte. Anschließend erläuterte er seine Arbeiten an mehreren Universitäten in den USA. Seither ist er von der Bildfläche der Öffentlichkeit praktisch verschwunden.

In seiner Beweisführung konnte bislang niemand größere Fehler entdecken. "Unter den Wissenschaftlern macht sich die Überzeugung breit, dass Perelman das Rätsel geknackt hat", schreibt die britische Zeitung "The Guardian". Um Anspruch auf die Million Dollar erheben zu können, müsste der Russe seine Arbeiten jedoch in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlichen. Dazu machte er aber keine Anstalten.

"Geld interessiert ihn nicht im Geringsten", sagten russische Wissenschaftler über ihren Kollegen. Der Spanier Manuel de León, der Präsident des Mathematikerkongresses, meint: "Perelman ist ein Genie. Er denkt an andere Dinge. Mich erinnert er an den Schachspieler Bobby Fischer."

Hubert Kahl/DPA DPA

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