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Neu entdeckter Blutegel: T-Rex-Wurm haust in der Nase

Unterm Mikroskop gleicht er einer Kreatur aus einem Horrorfilm. Und tatsächlich dürstet Tyrannobdella rex nach Blut: Der Egel, den Forscher jetzt in Südamerika entdeckt haben, kriecht meist in die Nase seiner Opfer.

Blutegel zählten noch nie zu den beliebtesten Tieren, aber was Wissenschaftler jetzt in Peru entdeckt haben, dürfte das Ansehen der Würmer deutlich verschlechtern. Vor allem in ländlichen Regionen werden die Menschen dort von einem bisher unbekannten Blutsauger geplagt, der sich durch besonders große Zähne auszeichnet. Mit diesen beißt er sich mit Vorliebe durch die Nasenschleimhäute, um sich dann voll Blut zu saugen. Die Wissenschaftler um Mark E. Siddall vom Amerikanischen Naturkundemuseum in New York tauften die neue Art deshalb in Anlehnung an den schreckenerregenden Dinosaurier Tyrannobdella rex.

Im Wissenschaftsjournal "Plos One" beschreiben die Autoren einige der Opfer des T-rex-Blutegels in Peru. So sei einem sechsjährigen Jungen ein 25 Millimeter langer Egel aus dem rechten Nasenloch gezogen worden. Noch schlimmer habe es eine Neunjährige erwischt, die über Kopfschmerzen und ein seltsames, gleitendes Gefühl in der Nase klagte. Nachdem ihre Eltern einen schwarzen Wurm als Ursache sichteten, gingen sie zum Arzt. Mit einiger Anstrengung konnte der schließlich einen 70 Millimeter langen Blutegel aus der Nase des Mädchens ziehen. Beide Kinder hatten in Seen und Flüssen gebadet, wobei sie die Egel wahrscheinlich befallen hatten.

Angriff auf den Nasen-Rachenraum

Die meisten Blutegel saugen sich außen an Säugetieren fest, um dann die Haut mit Hilfe eines Schmerzmittels in ihrem Speichel schmerzfrei aufzubeißen. Mit ihren Zähnen durchdringen sie selbst Rinderfell in wenigen Sekunden. Ein Egel kann bis zum Fünffachen seines Körpergewichts an Blut aufsaugen. Danach fällt er normalerweise ab.

Tyrannobdella rex befalle vor allem den Nasen-Rachenraum von Menschen, schreiben die Wissenschaftler. Er gehöre damit zu einem Stamm von Blutegeln, die sich auf die Schleimhäute von Säugetieren spezialisiert haben. In etwa 70 Prozent der Fälle dringen Egel in die Nase ein, seltener gelangen ähnliche Würmer ins Auge, die Scheide, die Harnröhre oder den Mastdarm.

Die neu beschriebene Blutegelart begründet innerhalb dieses Stamms auch eine neue biologische Gattung. Anders als alle anderen bisher beschriebenen Blutegel besitzt Tyrannobdella rex nur einen einzigen Kiefer mit sehr großen Zähnen. Dass neue Egel-Arten entdeckt werden, ist an sich nicht ungewöhnlich. Wissenschaftlich beschrieben sind zwischen 600 und 700, Biologen nehmen aber an, dass bis zu 10.000 verschiedene Arten von Egeln existieren.

DPA / DPA
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