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Pleistozän: Elefantenfriedhof bei Rom

Der mehr als fünf Meter hohe Elephas antiquus lebte vor etwa 350 000 Jahren im Zeitalter des Pleistozäns zusammen mit anderen tierischen Zeitgenossen nur rund 20 Kilometer nördlich von Rom.

Lange bevor der punische Kriegsherr Hannibal mit seinen Elefanten gegen Rom zog, tummelte sich dort schon eine ganz andere Art von Dickhäutern: der Elephas antiquus. Der mehr als fünf Meter hohe Vorfahre der heutigen Elefanten lebte vor etwa 350 000 Jahren im Zeitalter des Pleistozäns zusammen mit anderen tierischen Zeitgenossen nur rund 20 Kilometer nördlich von Rom. Im Jahr 1984 entdeckten italienische Archäologen in dem Gebiet zahlreiche Skelette der prähistorischen Riesen. An diesem Freitag öffnet der Elefantenfriedhof seine Tore für Besucher. »An Bedeutung und Reichtum der Funde kann sich nur noch die berühmte prähistorische Fundstelle von Hot Springs in den USA mit dem Elefantenfriedhof von Rom messen«, sagt die Paläontologin Maria Rita Palombo.

Die Dickhäuter lebten in einem damals äußerst fruchtbaren Gebiet, der so genannten »Polledrara de Cecanibbio«, wo heute Landwirtschaft betrieben wird. Dort, wo sich Jahrtausende später die Römer ansiedeln sollten, herrschte damals schon reges Treiben. Die Archäologen fanden auch die Überreste von anderen zeitgenössischen Säugetieren, wie Auerochsen, Affen sowie von Wasservögeln und Reptilien. Die Forscher hatten die Skelette fast 17 Jahre lang ausgegraben und sorgsam restauriert.

Ab sofort bietet die Ewige Stadt seinen Besuchern also nicht nur antikes Gemäuer, sondern auch Überreste prähistorischer Tiere. Der neue Archäologische Park ist fast 1000 Quadratmeter groß und dürfte weiter wachsen. »Die Grabungen sind noch längst nicht abgeschlossen, das Gebiet ist viel größer als angenommen«, berichtet Grabungsleiterin Anna Paola Anzidei.

In dem ehemaligen Flussbett und dem umliegenden Sumpfgebiet haben sich Skelette unzähliger Tierarten aus dem Pleistozän bestens erhalten. Damals floss durch das Gebiet ein Flüsschen, das den Tieren vermutlich als Tränke und Schwemme diente. Das Gebiet war sumpfig und so manches Rüsseltier blieb im Morast stecken. Neben einem großen Elefantenskelett fand man sogar die Reste eines Wolfes, der sich möglicherweise an dem hilflosen Tier satt fressen wollte und dabei selbst dem Sumpf zum Opfer fiel.

Wie im »Frischhaltebeutel« erhalten

Die Erde hat die Tier-Skelette wie ein Frischhaltebeutel durch die Jahrtausende bis in unsere Zeit erhalten. »Anhand der verschiedenen Fundsituationen können wir uns ein gutes Bild über die Gepflogenheiten der Säugetiere und vieler anderer Arten aus dem Pleistozän machen«, sagt Anzidei. Die Knochen und Zähne der Säugetiere bezeugen nicht nur die jeweiligen Lebensgewohnheiten: Speisereste an den Zähnen, wie etwa Baumrinde oder Blätter, geben auch Aufschluss über die damalige Flora und Fauna. Das Park-Gelände ist komplett überdacht, die Funde sind vor Ort in ihrer ursprünglichen Lage belassen. Über Laufstege wird der Besucher an die Skelette herangeführt.

»Wir haben auch Unmengen an Knochen- und Steinwerkzeugen gefunden, die das Leben des altsteinzeitlichen Menschen in dieser Zone gut dokumentieren«, fügt die Archäologin hinzu. Nicht nur Wölfe und andere Raubtiere nutzten demnach die Lage der hilflos im Sumpf gefangenen Dickhäuter, auch der prähistorische Mensch wusste die leichte und nahrhafte Beute zu schätzen. Mit Keulen, Stein- oder Knochenwerkzeugen bewaffnet ging er in der »Polledrara« zur Jagd.

Die Menschheitsgeschichte der Ewigen Stadt kann auf diese Weise jetzt bestens dokumentiert sozusagen bis zur Altsteinzeit zurückverfolgt werden. Der Elefantenfriedhof kann zukünftig auf Voranmeldung beim archäologischen Denkmalamt von Rom (Telefon: 0039- 06-39967700) besucht werden.

Von Marga Sanchez, dpa

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