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Sommer 2007: "Wir sind einfach verwöhnt"

Einen Sahara-Sommer hatten sie uns versprochen - und jetzt? Regen, Regen, Regen, und nicht mal 20 Grad. Alles ganz normal, sagt Meteorologe Thomas Schmidt vom Deutschen Wetterdienst - und kann doch Sonnenanbetern wenig Hoffnung machen.

Herr Schmidt, seit Tagen muss man hier in Hamburg mit Pullover aus dem Haus gehen - und das Ende Juli! Wo ist er, der Sahara-Sommer?

Ob sie es glauben wollen oder nicht: Wir erleben gerade einen völlig normalen Sommer. Was die Temperaturen angeht, ist es sogar ganz geringfügig zu warm - wir stellen Abweichungen von ein bis zwei Zehntelgrad nach oben fest. Das gilt für ganz Deutschland, also auch für Hamburg.

Aber das Wetter hier ist fürchterlich, es regnet sehr oft.

Wir gehen tatsächlich davon aus, dass dieser Sommer feuchter wird als gewöhnlich. Genau können wir das aber erst Ende August beantworten - es ist ja theoretisch möglich, dass es jetzt bis dahin gar nicht mehr regnet.

Das ist aber wohl eher unwahrscheinlich, oder?

Richtig, aber da der Frühling einer der trockensten überhaupt war, ist es nur gut, wenn der Sommer etwas feuchter ist. In den letzten Jahren hatten wir eine Reihe von Sommern, die zu warm waren und zu trocken. Dadurch hat sich unsere Erwartungshaltung völlig verschoben - wir sind einfach verwöhnt.

Können sich die von den letzten Sommern verwöhnten Sonnenanbeter denn Hoffnungen machen, dass es demnächst besser wird?

Uns erwartet auch in den nächsten Tagen ein ganz normaler Sommer: Übermorgen wird es deutschlandweit ein bisschen wärmer. Im Süden sind bis zu 25 Grad drin und auch Sonne. Allerdings ist es sicher immer noch nicht das, was die Leute erwarten.

In anderen Ländern Europas erleben wir derzeit viele Wetterextreme: Hitzwelle in Griechenland, Sintflut in England. Das ist doch wohl kaum normal...

Experten sagen, dass sich ein Hochwasser wie in England einmal in hundert Jahren ereignet. Nichtsdestotrotz: In Europa gibt es mehr als hundert Flüsse, da ist es eigentlich nur normal, wenn pro Jahr einer ein hundertjähriges Hochwasser führt. Auf uns wirkt es nur deshalb so extrem, weil man es im Fernsehen vielfach erlebt.

Also kein Grund, gleich in Klimawandel-Panik auszubrechen?

Zum Klimawandel sage ich nichts - mein Job ist es, das Wetter für die nächsten Tage vorauszusagen.

Thomas Schmidt ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst

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Interview: Angelika Unger
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