Tierdiebstahl Ara statt iMac


Bei professionellen Diebesbanden in Großbritannien steht neuerdings eine besondere Ware ganz hoch im Kurs: seltene und damit teure Tiere.

In Großbritannien haben hochprofessionell organisierte Banden mittlerweile eher Papageien aus dem Zoo als etwa Computer aus dem Laden im Visier. Noch nie war nach Ansicht von John Hayward vom nationalen britischen Diebstahlregister für Tiere, so schlimm gewesen wie heute. "Den Kriminellen wird bewusst, dass es sich nicht lohnt, elektronische Waren abzugreifen - aber seltene Tierarten sind wirklich wertvoll", zitiert die "Times" den Experten. Der neue Trend kommt nicht von ungefähr: ein seltener Ara etwa kann bis zu 60.000 Euro einbringen. Nicht zuletzt internationale Einfuhrbeschränkungen haben den Wert exotischer Tiere in die Höhe schnellen lassen.

Hochprofessionel gehen die Tierdiebe ans Werk

Mitverantwortung für diese Entwicklung hat nach Ansicht von Hayward auch die heutige Gesellschaft: "Wir leben in einer Designer-Welt. Die Leute wollen keine Katzen oder Hunde - sie wollen einen wertvollen Koi-Karpfen oder einen Ara, und das treibt die Preise nach oben. Es ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage."

In diesem Jahr beispielsweise sind aus englischen Zoos und Tierhandlungen bereits rund 40 Affen und 400 Papageien gestohlen worden - nach Ansicht der Polizei die Arbeit von Profis, die "im Auftrag" reicher privater Sammler oder Züchter im In- und Ausland zuschlagen. Hoch im Kurs stehen neben Äffchen und exotischen Vögeln auch Schlangen, Schildkröten oder Fische. So wurden nach einem Bericht des "Independent" aus einem Teich im schottischen Tayside 17 Koi-Karpfen im Wert von 60 000 Euro entwendet. Und die Räuber wissen genau, was sie tun. "Sie kamen gut ausgerüstet mit allen Werkzeugen, die sie benötigten, inklusive Transportkäfige für die Affen", beschreibt Tracey Moore, Direktor des Shaldon-Tierparks in Devon, das Vorgehen der Diebe, die dort in den vergangenen Monaten bereits drei Mal zuschlugen. Nach Einschätzung von Hayward vom Tierdiebstahl-Register werden zahlreiche der gestohlenen Vögel oder Äffchen sofort außer Landes auf den europäischen Kontinent gebracht, wo die Chancen, sie aufzuspüren sehr gering seien.

"Das ist eine internationale Szene"

"Leute, die professionell Tiere stehlen, ähneln noch am ehesten Kunst- und Antiquitätenräubern - das ist eine internationale Szene", führt Hayward aus. In den zehn Jahren seiner Arbeit auf diesem Feld sei es noch nie so schlimm gewesen.

Von Jörg Berendsmeier, DPA


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