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Trinkwasseraufbereitung: Reines Wasser für alle

Knapp 400 Millionen Kinder weltweit leiden darunter, dass sie kein Wasser haben. Täglich sterben nach WHO-Angaben 6.000 Menschen, weil sie zu wenig oder unsauberes Wasser trinken. Dabei gibt es einfache Lösungen, Trinkwasser aufzubereiten.

Von Matthias Lauerer

1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das Problem: Die Wasseraufbereitung ist oftmals teuer, oder lässt sich in ländlichen Regionen der Erde aus logistischen Gründen nicht umsetzen. Dabei gibt es Methoden, Trinkwasser einfach und billig aufzubereiten.

Nicht ganz neu auf dem Markt ist der "LifeStraw" des dänischen Unternehmens "Vestergaard Frandsen." Das 160 Gramm schwere Gerät filtert Bakterien aus dreckigem Wasser. Spannend dabei ist, dass der Halm nur drei US-Dollar pro Stück kostet. Doch selbst das ist für viele einkommensschwache Haushalten oder Gemeinschaften in der Dritten Welt noch zu teuer. Deshalb sucht das Unternehmen nach Sponsoren. Immerhin reinigt der 31 Zentimeter lange "Lebenshalm" dreckiges Wasser bis zu ein Jahr lang und lässt sich laut Hersteller-Angaben auch bis zu drei Jahre lagern. Möglich machen das drei unterschiedliche Filter, die die Bakterien entfernen. So schützt er vor Cholera und der Ruhr.

"LifeStraw" wird erprobt

Darauf aufmerksam geworden, finanzierte die Weltgesundheits-Organisation (WHO) 2006 ein Projekt des Wissenschaftlers Salwa Elsanousi Hussein, der den "LifeStraw" in El-Masraf Kampo, im Süd-Sudan, untersuchte. 700 Haushalte erhielten je vier Halme. Hussein wird vor allen Dingen untersuchen, ob die Krankheitsrate mit der Verwendung des "LifeStraws" gesenkt werden kann oder nicht. Die Ergebnisse werden bald veröffentlicht. Das Unternehmen verkaufte bislang bereits 250.00 Reinigungshalme.

Einen anderen, deutlich einfacheren Ansatz sieht man bei dem Projekt mit dem Namen "Sodis" ("Solar Water Desinfection"). Hier kamen Forscher des schweizerischen Wasserforschungs-Instituts "Eawag" auf die simple Idee, Wasser in herkömmliche PET-Flaschen zu füllen und es danach - beispielsweise auf einem Hüttendach - der UV-Strahlung der Sonne auszusetzen. Das Ergebnis überraschte: Denn schon nach sechs Stunden waren zumindest die Erreger des Durchfalls im ehemals schmutzigen Wasser beseitigt. Doch dunkle Flaschen eignen sich laut Aussage der Wasser-Forscher ebenso wenig zur Reinigung, wie Glasflaschen, die die UV-Strahlung teilweise filtern.

UV-Laser-Diode gegen Krankheitskeime?

Einen gänzlich anderen Weg geht der Physiker Shuji Nakamura. Der Professor der University of California in Santa Barbara erhielt im Dezember 2006 den mit einer Million Euro dotierten "Millennium Technology Prize" für eine Entwicklung, die er bereits in den 1990er Jahren machte: So baute der japanische Wissenschaftler die erste blaue Laserdiode und nutzte hierfür den Stoff Galliumnitrid. Diese spezielle LED strahlt sehr viel UV-Licht ab. In einem Interview mit der renommierten Zeitschrift "Technology Review" erklärte er das Prinzip, dass sich auch zur Wasser-Reinigung eignet: "Weil UV-Licht eine sehr hohe Photonenenergie besitzt, tötet es die Bakterien im Wasser ab und reinigt es so. UV-LEDs sind sehr billig und kosten rund einen Dollar pro Stück. Zudem sind sie leicht und effizient. Wenn jemand also dreckiges Fluss-Wasser holt, dann kann er mit Hilfe eines Spezialschlauches, der auf den Trinkbecher aufgesetzt wird und in dem ein Filter mit UV-LEDs eingesetzt ist, dieses doch trinken."

Wie wichtig das Thema ist, zeigt auch die Veröffentlichung des ersten "Welt-Wasser-Berichts" der Unesco im Jahr 2003. Darin fordert die Organisation massive Anstrengungen, um das Problem zu lösen. So sei beispielsweise verschmutztes Wasser die Hauptursache für 80 Prozent aller Erkrankungen in den Entwicklungsländern. Drei Jahre zuvor wurde bereits auf dem "UN-Millenniumsgipfel" das Ziel vereinbart, die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, innerhalb von 15 Jahren zu halbieren. Acht Jahre bleiben also noch, um dieses ehrgeizige Unterfangen zu vollenden. 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr wurden damals als erforderlich angesehen. Doch will man diese Zahlen erreichen, bedarf es noch einiger Anstrengung. Im Bericht heißt es dazu: "Dies entspricht einer Verdopplung der derzeitigen globalen Investitionen."

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