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Überbevölkerung: Operation Gänsefrieden

Die US-Stadt Greenwich hat ein Gänseproblem. Und weil die Vögel nicht getötet werden dürfen, setzt die Stadt auf Collies, die aufs Nerven spezialisiert sind.

Die Hinterlassenschaften von hunderten Kanadagänsen in öffentlichen Parks haben die Stadtverwaltung von Greenwich im US-Staat Connecticut so verärgert, dass eine Massentötung der Vögel schon erwogen wurde. Nach einer intensiven öffentlichen Debatte über das Problem wählten die Verantwortlichen nun aber eine tierfreundlichere Methode: Die Gänse sollen mit Hilfe von Hundepatrouillen vergrault werden. Sogar ein Border Collie mit Rettungsweste an Bord eines Kajaks kommt zum Einsatz.

Die Gänse reagieren genervt, und die meisten Bewohner von Greenwich finden das Projekt gut. Tierschützer hoffen, dass das Beispiel Schule macht und dass ihm auch andere Gemeinden mit einem Gänseproblem folgen. "Das ist leicht umsetzbar", sagt Rodi Rosenzweig, eine Sprecherin der US-Tierschutzgesellschaft.

Millionen Gänse leben in den USA

Die Kanadagänse stehen unter dem Schutz der Regierung in Washington, Tötungen müssen von ihr genehmigt werden. An der Atlantikküste und im Mittleren Westen haben sich die Gänse in den vergangenen Jahren drastisch vermehrt. In den USA leben derzeit schätzungsweise dauerhaft 2,6 Millionen der Vögel. Sie bevorzugen breite, gemähte Wiesen gegenüber natürlichem Terrain und sind daher häufig auf Golfplätzen und in öffentlichen Parks zu finden.

Die Überpopulation ist nach Angaben der Bundesbehörden im Gebiet von Virginia bis zu den Neuenglandstaaten am stärksten ausgeprägt. Die zuständige Fischerei- und Naturbehörde würde die Zahl der Gänse in der Region gerne von einer Million auf 620.000 reduzieren und dafür unter Umständen die Vorschriften lockern. "Zwei Gänse im Park sind nett - 1000 Gänse im Park sind nicht so nett", sagt Behördensprecher Nicholas Throckmorton.

Tausende Gänse wurden getötet

Gemeinden, die ihre Gänsepopulationen vertreiben möchten, haben es bereits mit Geräuschmaschinen, Vogelscheuchen, ausgestopften Koyoten und Alligatoren versucht - häufig mit wenig dauerhaftem Erfolg. Tausende Gänse wurden in den vergangenen Jahren getötet, nachdem zuvor die Genehmigung eingeholt worden war. In einigen Fällen folgten Proteste seitens der Bevölkerung.

Die Stadtverwaltung von Greenwich wollte sich um die Genehmigung für die Tötung von bis zu 200 Gänsen während der sommerlichen Mauser bemühen, wenn die Vögel ihren Verfolgern nicht davonfliegen können. Doch obwohl die Bewohner den Gänsedreck leid sind, gab es lautstarken Protest gegen den Plan. Die Verantwortlichen schwenkten daraufhin um und kündigten an, die von der Organisation Geese Peace (Gänsefrieden) propagierte Methode auszuprobieren.

Als Hütehunde ausgebildet

Wenige Tage später war Geese-Peace-Präsident David Feld bereits vor Ort im idyllisch gelegenen Binney Park von Greenwich und konnte zusehen, wie zwei Border Collies - einer an Land, der andere in einem Kajak - ein Dutzend Gänse verjagten. Die Collies sind als Hütehunde ausgebildet und greifen nicht an, werden von den Gänsen aber trotzdem als bedrohliche Feinde betrachtet. "Wir machen diesen Ort zu einem, an denen Kanadagänse sich nicht mehr gerne aufhalten", sagt Feld.

Nach dem Plan von Geese Peace, der bereits in mehreren Städten erprobt wurde, werden die Bewohner auch darüber informiert, dass sie die Gänse nicht füttern sollen. Als weiteres Element, das zur Brutzeit im Frühjahr zum Einsatz kommt, wird die Zahl der Jungvögel reduziert: Freiwillige suchen die Nester und bestreichen die Eier mit Maisöl, was das Schlüpfen der Jungen verhindert.

Die Verantwortlichen in Greenwich hoffen nun darauf, dass sich Gemeinden in umliegenden Bezirken der Methode anschließen. Langfristiges Ziel ist es, die Gänse davon zu überzeugen, wie früher üblich im Sommer wieder in die kanadische Arktis zu ziehen.

David Crary/AP / AP