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Verhaltensforschung: Auch Affen können in Gesichtern lesen

Auch Affen können neuesten Forschungsergebnissen zufolge Mimik interpretieren und in Verbindung zu Lautäußerungen wahrnehmen.

Auch Affen können neuesten Forschungsergebnissen zufolge Mimik interpretieren und in Verbindung zu Lautäußerungen wahrnehmen. Tübinger Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik haben erstmals herausgefunden, dass diese Fähigkeit im Tierreich auftritt, wie die Max-Planck-Gesellschaft in München mitteilte. Bisher wurde angenommen, dass nur der Mensch diese Verbindung herstellen kann.

Vorform der menschlichen Sprachwahrnehmung

Die Forscher Asif Ghazanfar und Nikos Logothetis gehen der Mitteilung zufolge davon aus, dass es sich bei der Fähigkeit, Mimik und Lautäußerungen als eine Einheit zu verstehen, um eine evolutionäre Vorform der menschlichen Sprachwahrnehmung handelt. Affen erzeugen ihre Laute im Rahmen komplexer Ausdrucksformen häufig in Verbindung mit bestimmten Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken, berichteten die Wissenschaftler.

Falsche Mimik zu bestimmten Lauten

Beim Menschen macht es einen bedeutenden Unterschied, ob er beim Sprechen lächelt oder sein Gesicht grimmig verzieht. Dass Affen ebenfalls merken, ob ein Laut zu einem Gesichtsausdruck passt, legt ein Experiment der Tübinger Wissenschaftler nahe. Elf Rhesusaffen wurden dafür zwei Videos nebeneinander und synchron vorgeführt, die jeweils den gleichen Artgenossen mit unterschiedlicher mimischer Artikulation zeigten. Gleichzeitig hörten die Affen Laute, die nur zu einem der Videos passten. 65 Prozent der Tiere fiel sofort auf, ob der Laut zu einem Gesichtsausdruck passte oder nicht: Sie schauten dann auf den Bildschirm, der die „richtige“ Mimik“ zeigte.

Veranlagung bei Rhesusaffen

Die Versuche beweisen den Forschern zufolge, dass Rhesusaffen eine natürliche Veranlagung besitzen, Laute mit Gesichtsausdrücken in Zusammenhang zu bringen. Zudem korrespondierten die Resultate der Studie eng mit Befunden, die für ähnliche Tests mit Kleinkindern vorliegen. Auch Babys können Stimmen und Mimik miteinander verbinden, noch bevor sie sprechen lernen. Somit könnte es sich dem Wissenschaftsbericht zufolge um einen von tierischen Vorfahren ererbten Trick handeln.

Welche Neuronen sind es?

Die Max-Planck-Gesellschaft geht davon aus, dass die Erforschung der Affen-Wahrnehmung zu wichtigen Einsichten in die Neurobiologie der Sprache führen kann. Die Wissenschaftler wollen nun unter anderem herausfinden, welche Neuronen im Primatenhirn an einer Vernetzung der unterschiedlichen Wahrnehmungen beteiligt sind. Zudem stelle sich die Frage nach übereinstimmenden Bereichen im menschlichen und nicht-menschlichen Primatenhirn.

DPA