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Welpenstatistik: Stirbt der Dackel aus?

Der Dackel ist als deutsches Wahrzeichen längst legendär. Doch ein Blick auf die aktuelle Welpenstatistik zeigt, dass die Zahl der Dackel-Würfe stark zurückgegangen ist. Hat die "Wurst auf Beinen" bald ausgebellt?

Er ist ein deutsches Wahrzeichen auf vier kurzen Beinen. Der Autor Florian Langenscheidt zählt ihn zu den "250 Gründen, unser Land heute zu lieben". Kaiser Wilhelm II. richtete für seinen Dackel sogar ein eigenes Hundegrab ein. In einem Park in Kassel erinnerte der Kaiser an seinen "treuen Dachshund Erdmann (1890-1901)". Ein Jahrhundert später sieht es - zumindest nach der Welpenstatistik - nicht gut aus für jenen Hund, den seine Fans für seine Eigenwilligkeit schätzen und der im Ausland als "Sausage-Dog" verspottet wird. Erblickten 1996 noch mehr als 12.000 kleine Dackel das Licht der Welt, waren es 2005 nur noch rund 7300 Welpen.

Vor Jahrzehnten war der kleine Jagd- und Familienhund, der zu den ältesten deutschen Hunderassen gehört, noch populärer. 1972 warb Dackel Waldi als Maskottchen für die Olympischen Spiele in München. Damals zählten die Züchter 28.000 Welpen im Jahr, wie sich Dieter Honsàlek, Präsident der Welt Union Teckel und zurzeit Besitzer von gleich 15 Rauhaar-Zwergdackeln, erinnert. "Da hat die Rasse einen unheimlichen Aufschwung erfahren." Heutzutage würden schlicht weniger Dackel gezüchtet.

Den Rückgang bei den Welpenwürfen sieht Honsàlek, der im Kreis Paderborn lebt, gelassen. Wie alle Hundeexperten weiß er, dass es einer Rasse nicht unbedingt gut bekommt, wenn sie im Trend liegt, weil das Kommerz und unseriöse Züchter anlockt. Lieber ist es den Hundefreunden, wenn sich jemand von Herzen für einen Dackel, ob als Rauhaar-, Langhaar- oder Kurzhaarvariante, entscheidet. Etwa 500 bis 600 Euro kosten die Tiere. Honsàlek mag am Dackel besonders, dass er eigenständig und ein bisschen dickköpfig ist. Er zitiert dabei einen Jägerspruch: "Wir haben einen Hund und außerdem einen Dackel." Die 15 bis 20 Kilo schwere "Wurst auf Beinen", deren Bauch kaum Abstand zum Boden hat, ist laut Honsàlek übrigens eine amerikanische Variante. Der deutsche Dackel hat ein Idealgewicht von kernigen neun Kilogramm.

Dackel-Maskottchen "Erwin Rommel"

Zu seinen prominenten Liebhabern gehören neben Tom Gerhardt alias Fernseh-Hausmeister Krause, den Schauspielern Ingrid Steeger und Peter Sodann besonders Dänemarks Königin Margrethe und Prinz Henrik. Als 1993 der damalige Hofhund "Zenobie" spurlos verschwand, rief die Königin zur Hilfe auf, worauf mehrere hundert Landsleute tagelang mit Würstchen wedelnd in den Wäldern nach dem Tier suchten - vergebens. Prinz Henrik widmete Hofdackel Evita sogar ein Gedicht ("Ich liebe es, dein Fell zu streicheln / Du lieber, du besonderer Hund"). Auch in Japan ist der Dackel beliebt, die Fußballmannschaft brachte ihr Maskottchen namens Erwin Rommel 2006 sogar mit zur Fußball-WM.

"Man muss sich um die Rasse keine Sorgen machen"

In Deutschland gibt es immer mehr Hunderassen, so dass der Favoriten-Dreiklang Dackel-Pudel-Schäferhund im Zeitalter der Globalisierung mehr Konkurrenz bekommen hat. Zum Beispiel vom drolligen Mops, vom hübschen Golden Retriever oder vom putzigen Jack Russell Terrier, der bei den Fachleuten schon länger Parson Russell Terrier heißt. Letzterer ist lebendig, wieselflink und nicht nur für Jäger, Landbewohner und Barbour-Jacken-Träger in der Stadt eine Alternative zum Dackel. Vom Aussterben bedroht ist der deutsche Symbolhund dennoch nicht. Bei den Wurfzahlen liegt er trotz des Rückgangs immer noch weit vorne. Der Dackel sei weiter sehr beliebt, berichtet Birgit Büttner vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. "Man muss sich um die Rasse keine Sorgen machen."

Caroline Bock/DPA / DPA