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Wermutschnaps Absinth: Forscher entzaubern die "grüne Fee"

Was Experten schon länger annahmen, wurde nun durch eine neue Studie bestätigt: Absinth, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts verboten wurde, enthielt zwar das psychoaktive Thujon - aber nur in geringer Dosis. Nur: Was machte das Getränk dann so wirkunsvoll?

Eine simple Erklärung haben Forscher aus Karlsruhe parat: Im Absinth wirkt allein der hochkonzentrierte Alkohol. "Die psychoaktive Wirkung ist ein Märchen gewesen", urteilt sogar Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe.

Lange ging man davon aus, das Nervengift Thujon würde dafür sorgen, dass Absinth-Trinker rauschhafte Zustände erlebten oder sogar Halluzinationen hätten. In Studien aus den 80ern und 90ern wurde allerdings ein Gehalt von bis zu 260 Milligramm Thujon pro Liter Absinth auf rein theoretischer Basis und ohne chemische Analyse angegeben. Einige Chemiker bezweifelten diese Annahmen. Der US-Amerikaner Ted Breaux etwa begann bereits vor Jahren, Absinth nach historischen Rezepturen herzustellen und zu analysieren. Mit dem Ergebnis: Das so hergestellte Getränk enthielt nur Spuren von Thujon.

Die Forscher um Dirk Lachenmeier analysierten nun den historische Flaschen aus der Zeit vor 1915 auf den Gehalt von Thujon. "Die Ergebnisse zeigen schlüssig, dass dessen Konzentration bisher erheblich überschätzt wurde", erklärt Lachenmeier in einem Beitrag im "Journal of Agricultural and Food Chemistry". Im Schnitt enthielten die Proben lediglich 25,4 Milligramm Thujon je Liter.

Anis und Wermut

Absinth, wegen seiner Farbe auch bekannt als "grüne Fee", wird aus destillierten Kräutern oder Kräuterextrakten hergestellt. Dazu gehören echter Wermut, Fenchel und grüner Anis, der für den märchenhaften Beinamen verantwortlich ist. Absinth sei jedoch weder ein verbotenes Betäubungsmittel, noch zeige der Schnaps ähnliche Wirkungen wie illegale Rauschdrogen, sagt Lebensmittelchemiker Lachenmeier. Dem heute wieder in Mode gekommenen Absinth war auch lange nachgesagt worden, er enthalte ein starkes Gift, das Halluzinationen oder epileptische Anfälle auslöse und unter anderem den Maler Vincent van Gogh dazu gebracht habe, sein Ohr abzuschneiden.

1915 wurde Absinth in Frankreich verboten, Deutschland folgte 1923. Seit 1998 wird in vielen europäischen Staaten wieder Absinth verkauft, der laut EU-Richtlinie maximal 35 Milligramm Thujon je Liter enthalten darf.

DPA/bub / DPA
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