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Wetter-Bilanz: Eiskaltes 2010 beendet Rekordwärme

Noch ist das Jahr nicht vorbei, doch die Meteorologen sind sich sicher, dass 2010 den Trend zu warmen Jahren durchbrechen wird. Forscher warnen vor falschen Schlussfolgerungen: Der Dauerfrost sei kein Widerspruch zur Erderwärmung.

Glatteis bis in den März hinein, eine dicke Schneedecke schon Anfang Dezember: 2010 hat nach über zehn zu warmen Jahren in Deutschland den Trend zunächst einmal gestoppt. Während die Jahre 2000 bis 2009 mit Durchschnittstemperaturen zwischen neun und zehn Grad die wärmste Dekade seit mindestens 130 Jahren waren, wird 2010 vermutlich bei nur 8,2 Grad liegen. Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD): "Das ist ein Ausreißer nach unten."

Soviel Schnee wie lange nicht

Die diesjährige Temperaturbilanz ist laut dem Meteorologen auf die winterlichen Werte im Januar und Februar sowie im Dezember zurückzuführen. Der niedrigste Durchschnittswert abseits von Gebirgsgipfeln wurde mit momentan 4,4 Grad in Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge gemessen. Am wärmsten war es in Stuttgart, wo bislang im Schnitt 10,7 Grad erreicht wurden.

Am Ende werden Lux zufolge deutlich über 90 Tage mit geschlossener Schneedecke zusammenkommen. "Das hatten wir in dieser Form schon lange nicht mehr", sagte der Meteorologe mit Blick auf die vergangenen zehn Jahren.

Kälte trotz Erderwärmung nicht überraschend

Für den Potsdamer Geowissenschaftler Reinhard Hüttl steht der harte Winter in Europa allerdings nicht im Widerspruch zur globalen Erderwärmung. "Wir kennen im Erdsystem Entwicklungen des Klimas, die einerseits in Richtung Erwärmung laufen und trotzdem sind die spezifischen Auswirkungen regional sehr unterschiedlich", sagte Hüttl. "Darum ist es nicht überraschend, dass es in Alaska wärmer wird, während wir hier einen kalten Winter erleben."

Für die Entwicklung gebe es eine Reihe von Ursachen. "Diese sind aber nicht wirklich verstanden", so Hüttl. Es gebe in der Forschung eine Reihe von Arbeitshypothesen. Als Beispiel nannte der Bodenwissenschaftler unterschiedliche Sonnenaktivitäten, die Einfluss nähmen. "Ich kann aus der Erdsystemforschung sagen: Wir verstehen das System noch nicht hinreichend." Aussagen zu Wetter, Witterung und Klima seien im regionalen Kontext noch nicht möglich.

fw/DPA/DAPD / DPA
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