VG-Wort Pixel

Weiß-gold oder blau-schwarz? Forscher lösen Rätsel um Farbe bei #TheDress


Weiß-gold oder blau-schwarz? Ein gestreiftes Kleid sorgte vor wenigen Wochen für Diskussionsstoff im Netz. Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum wir das Kleid in verschiedenen Farben sehen.

Der Schnappschuss eines gestreiften Kleides spaltete Internetuser vor wenigen Wochen in zwei Lager: in jene, die das Kleid für blau-schwarz hielten - und andere, die auf dem Foto die Farben Weiß und Gold erkannten. Nach Stunden der Verwirrung folgte die Auflösung: Das Kleidungsstück war tatsächlich blau-schwarz. Was aber war der Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung? US-amerikanische Forscher sind dieser Frage nachgegangen - und präsentieren im Fachblatt "Current Biology" nun eine mögliche Lösung.

Forscher um Bevil Conway, Wissenschaftler am Wellesley College im US-Bundesstaat Massachusetts, zeigten in einem Experiment 1400 Menschen das Foto des Kleides und baten sie, das Bild zu beschreiben. Deutlich über die Hälfte (57 Prozent) der Menschen erkannten in dem Kleid die Farben Blau und Schwarz, rund 30 Prozent sahen die Farben Weiß und Gold, zehn Prozent die Farben Blau und Braun. Die übrigen Befragten konnten sich nicht auf eine Farbkombination festlegen.

Frühaufsteher sehen eher die Farben Weiß und Gold

Die Wissenschaftler beobachteten einen interessanten Zusammenhang: Besonders Frauen und ältere Menschen tendierten dazu, das Kleid in den Farben Weiß und Gold zu sehen. Eben jene Bevölkerungsgruppen, die dazu neigen, in den Morgenstunden früh aufzustehen. Sie seien daher stark an Tageslicht gewöhnt, folgerte Conway. Da Sonnenlicht einen hohen Blauanteil enthält, sei das Gehirn dieser Menschen darauf programmiert, die blauen Anteile des Lichts zu korrigieren - was das Kleid weiß und gold wirken lasse.

Langschläfer dagegen sind eher in den Abendstunden wach. Ihre Gehirne seien mehr auf künstliches Lampenlicht eingestellt, das mehr rötliche Anteile enthält. Auch hier würde das Gehirn die roten Anteile herausfiltern - das Kleid wirke blau und schwarz.

Für die Farbverwirrung sorge letztendlich die unklare Lichtsituation auf dem Foto: Hängt das Kleid im Freien und wird von Sonnenlicht angestrahlt - oder befindet es sich in einem Geschäft mit künstlichem Licht? Ohne diese Information greife das Gehirn auf frühere Erfahrungswerte zurück und interpretiere die Farben eigenständig, so die These der Wissenschaftler.

Ein Kleid, verschiedene Hypothesen

Psychologen aus Gießen und Bradford um den Wissenschaftler Karl Gegenfurtner haben dagegen eine andere Erklärung entwickelt, die sie ebenfalls im Fachblatt "Current Biology" präsentieren: Demnach liegen alle wahrgenommenen Farben des Kleides - weiß, hellblau, gelb, gold, bis hin zu schwarz - im Farbkreis auf der Tageslichtachse. Das Tageslicht tendiert je nach Stand der Sonne eher ins Bläuliche, etwa mittags, oder ins Gelbliche, was morgens und abends der Fall ist.

Normalerweise würde das Gehirn den Einfluss von bläulichem oder gelblichem Licht herausfiltern. Dafür braucht es aber weitere Farben zur Orientierung - und zwar solche, die abseits der Tageslichtachse liegen, etwa Grün oder Rot. Da diese Akzente bei #TheDress fehlen, liefert das Foto keine Information über die Belichtungsverhältnisse - was die Farbverwirrung perfekt macht.

ikr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker