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USA Benjamin Franklin wollte lieber Truthahn statt Adler als Nationalvogel – was am Mythos dran ist

Ein Truthahn präsentiert seine Federn
Durchaus imposant: ein wilder Truthahn 
© Strussfoto / Imago Images
Der majestätische Weißkopfseeadler ist der Nationalvogel der USA. Es kursiert der Mythos, dass Gründungsvater Benjamin Franklin lieber den Truthahn als Nationalvogel gesehen hätte. Stimmt das? 

Der Weißkopfseeadler ist in den USA ein geflügelter Patriot. Er ist omnipräsent. Er ziert das Große Siegel der Vereinigten Staaten und damit vieles, was den Präsidenten umgibt, aber auch Geldscheine. Doch selbst ein majestätischer Adler flattert nicht einfach so zum Status des Nationalvogels empor. Die Gründungsväter hatten ihn seiner Zeit auf das Große Siegel befördert. 

Der Ursprung geht auf den Kontinentalkongress zurück, den Delegierten der damaligen 13 Kolonien Nordamerikas. Sie wollten mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung für ihre neu gegründete Nation auch ein offizielles Siegel. Benjamin Franklin, John Adams and Thomas Jefferson wurden damit beauftragt, eines zu bestimmen.

Die Gründungsväter der USA hatten biblische Motive im Kopf

Die ersten Ideen, die kursierten, waren allerdings nicht tierisch, sondern biblisch inspiriert. Das National Museum of American Diplomacy zitiert aus einem Brief, den John Adams am 14. August 1776 an seine Frau Abigail schrieb. 

Benjamin Franklin schlug demnach vor, dass Moses seinen Stab erhebt und das Rote Meer teilt, während der Pharao von den Wassern überwältigt wird. Das Motto dieser Darstellung: Rebellion gegen Tyrannen als Gehorsam gegenüber Gott. Biblisch war auch Thomas Jeffersons Zugang. Der hat sich die Amerikaner laut dieser Quelle als die Kinder Israels in der Wüste vorgestellt, die in der Nacht von einer Feuersäule geführt werden. Adams wiederum berief sich auf die Mythologie und Herkules, der sich "auf seine Keule stützt", und auf eine Figur der Tugend blickt.

Ein paar Jahre und Komitees später wurde es im Jahr 1782 schließlich der Weißkopfseeadler, der einen Olivenzweig und Pfeile in den Krallen hält und Stärke, Einheit und Unabhängigkeit ausdrücken soll.

Der Adler auf dem Großen Siegel der Vereinigten Staaten – hier auf einem Ein-Dollar-Schein
Der Adler auf dem Großen Siegel der Vereinigten Staaten – hier auf einem Ein-Dollar-Schein
© Design Pics / Imago Images

Die Sache mit Benjamin Franklin und dem Truthahn

Bis heute ist immer wieder zu lesen, Benjamin Franklin habe sich für einen Truthahn als Nationalvogel ausgesprochen. "Das ist nur ein Mythos", stellt das Franklin Institute klar. Dass der sich allerdings hartnäckig hält und nicht ganz unplausibel ist, hängt mit einem Brief zusammen, den Franklin seiner Tochter schrieb. Darin kritisierte Franklin den ursprünglichen Entwurf des Adlers für das Große Siegel, weil dieser eher wie ein Truthahn ausgesehen habe. In dem Brief schreibt er, dass der Weißkopfseeadler ein Vogel mit schlechtem moralischen Charakter sei. "Er erhält seinen Lebensunterhalt nicht auf ehrliche Weise... [er] ist zu faul, um für sich selbst zu fischen."

Der Truthahn sei im Vergleich "ein viel respektablerer Vogel", ein "echter, ursprünglicher Ureinwohner Amerikas". Er sei außerdem, wenn auch ein wenig eitel und albern, ein Vogel des Mutes. Das Franklin Institute kommt zum Schluss: "Obwohl Benjamin Franklin also die Ehre des Truthahns gegenüber dem Weißkopfseeadler verteidigte, schlug er nicht vor, ihn zu einem der wichtigsten Symbole Amerikas zu machen." 

Der Truthahn wiederum ist auch ohne großen Auftritt auf Siegeln und Geldscheinen eine Art Nationalvogel geworden. Für die Tiere wiederum ist ihre Popularität meist wenig erfreulich: An Thanksgiving sind sie von vielen Familientischen nicht wegzudenken. Gute Nachrichten gab es immerhin traditionellerweise auch in diesem Jahr für zwei Exemplare mit den Namen Chocolate und Chip: Präsident Joe Biden hat die beiden Tiere am Montag begnadigt. 

Quellen: The Franklin Institute, Live Science, National Museum of American Diplomacy, Yahoo

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