Vitamintabletten Wie Schrot auf Spatzen


Die umfassende Versorgung mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralien versprechen Hersteller von Multivitamintabletten. Darauf sollte man sich besser nicht verlassen. Nicht selten ist vom einen Stoff zu wenig drin, vom anderen aber zu viel.
Von Kirsten Milhahn

Vitamin A

Einige Präparate enthalten nicht Vitamin A, sondern dessen künstlich hergestellte Vorstufe Beta-Carotin. Studien haben gezeigt, dass Beta-Carotin in Pillenform anders wirkt als in der Frucht und bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko stark erhöht. Ob ein Präparat Vitamin A oder Beta-Carotin enthält, ist auf der Packung angegeben.

Lutein

... gehört zu den Carotinoiden, wird vom Körper nicht ausgeschieden und kann leicht überdosiert werden. Die EU gibt für die Dosis keine Empfehlung.

Vitamin E

Vitamin-E-Mangel ist selten. Die in den meistverkauften Präparaten enthalten Dosen von zehn Milligramm pro Tag liegen annähernd im Bereich dessen, was auch die DGE empfiehlt.

Vitamine B-Gruppe

Die Vitamine dieser Gruppe sind in den untersuchten Präparaten unausgewogen dosiert: Statt der empfohlenen 1,2 Milligramm Vitamin B6 ist die doppelte Menge enthalten. Der B12-Gehalt hingegen entspricht nur einem Drittel der empfohlenen Tagesdosis; das Vitamin ist aber vor allem für ältere Menschen sehr wichtig. Ihr Körper produziert weniger Magensäure und nimmt dadurch weniger B12 aus der Nahrung auf.

B1- und B2-Zusätze in Pillenform haben nach Angabe von Experten offenbar keinen Nutzen. Überschüsse scheidet der Körper ohnehin wieder aus. Die meisten Menschen nehmen bereits mit der Nahrung auf, was ihr Körper an B1 und B2 benötigt, etwa durch Vollkorn- und Milchprodukte, Eier, Kartoffeln, Spinat oder Hülsenfrüchte.

Vitamin C

Es gilt als Universaltalent unter den Vitaminen, schützt den Körper vor den Angriffen Zellen zerstörender freier Radikale und stärkt offenbar das Immunsystem. Dass es auch gegen grippale Effekte wirkt, ist bislang nicht bewiesen. Studien belegen, dass Vitamin C direkt aus der Frucht besser wirkt als aus der Pille. Viele Präparate sind niedriger dosiert als die von der DGE empfohlenen 100 Milligramm pro Tag.

Vitamin D

Experten gehen davon aus, dass wir mehr einnehmen sollten als die bislang empfohlene Tagesdosis von fünf Mikrogramm. Zwar stellt der Körper 80 Prozent des Vitamins selbst her, benötigt aber Licht dafür. Für ältere Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten, ist vermutlich eine Tagesdosis von zehn Mikrogramm sinnvoll.

Vitamin K

Es sorgt als Blutgerinnungsfaktor dafür, dass sich bei Verletzungen die Wunde schnell verschließt. Wer Medikamente mit dem Blut verdünnendem Wirkstoff Warfarin einnimmt, sollte mit Vitamin-K-Zusätzen allerdings vorsichtig sein: Je mehr der Körper von dem Vitamin aufnimmt, desto mehr Warfarin benötigt er auch.

Biotin

Viele Multivitaminpräparate sind überdosiert: Bis zu 150 Mikrogramm deklarieren Hersteller als Tagesbedarf. Laut den Empfehlungen der DGE sind allerdings höchstens 30 bis 60 Mikrogramm am Tag nötig. Bislang fehlt jeder wissenschaftliche Beweis, dass erhöhte Biotin-Dosen von Nutzen sind.

Folsäure

Viele Produkte enthalten mit 0,2 Milligramm gerade die Hälfte der von der DGE empfohlenen Tagesdosis. Das Vitamin, das reichlich in Salat und Blattgemüse steckt, ist an der Neubildung von Zellen beteiligt und spielt eine wichtige Rolle bei allen Wachstums- und Entwicklungsprozessen.

Niacin

Mangel tritt selten auf, davon betroffen sind meist Menschen mit extrem hohem Alkoholkonsum oder seltenen Stoffwechselerkrankungen. Bei ihnen sind Zusatzpräparate erforderlich - allerdings als Medikament in wesentlich höheren Dosen als 18 Milligramm aus einer Vitaminpille.

Pantothensäure

Milch, Hülsenfrüchte, Fisch oder Vollkornprodukte liefern ausreichend Pantothensäure. Bislang gibt es keine Belege dafür, dass Zusätze hilfreich sind.

Kalzium und Magnesium

Für feste Knochen und gesunde Zähne braucht der Körper reichlich von beiden Mineralien. In der Multivitaminpille finden aber nur begrenzte Mengen Platz. Viele Präparate enthalten höchstens bis zu einem Drittel, andere gerade mal 3,5 Prozent der empfohlenen Tagesmenge (bei Kalzium 1000 Milligramm, bei Magnesium 350 Milligramm).

Zumindest einige der Hersteller weisen auf der Verpackung darauf hin, dass zur Deckung des Tagesbedarfs zusätzliche Mengen vonnöten sind. Um den Magnesiumbedarf eines Tages zu decken, reichen zwei Scheiben Vollkornbrot. Größere Mengen Kalzium stecken in Milch, Käse und Spinat.

Phosphor

Das Spurenelement kann leicht allein mit der Nahrung zugeführt werden, denn es steckt praktisch in allen Lebensmitteln.

Die ohnehin viel zu geringen Mengen in der Pille - mitunter weniger als 10 Prozent der empfohlenen Tagesdosis - decken kaum den Bedarf von 700 Milligramm.

Chlorid

Der Gehalt lässt in vielen Produkten zu wünschen übrig: Statt der empfohlenen 830 Milligramm am Tag enthalten viele Präparate nicht mehr als 36 Milligramm.

Kalium

Hier sind viele Präparate unterdosiert: Für die Regulation des Wasserhaushalts und den Aufbau von Muskeln braucht der Organismus etwa 2000 Milligramm pro Tag. In Multivitamintabletten stecken oft gerade mal 40 Milligramm. Gute natürliche Quellen sind z. B. Bananen, Kartoffeln und Trockenobst.

Eisen

Eisenmangel ist heute in Deutschland zwar seltener geworden als früher. Dennoch sind mindestens 20 Prozent der weiblichen Bevölkerung davon betroffen - beispielsweise aufgrund von Eisenverlust während der Menstruation. Viele Frauen erreichen nicht die nötige Menge von bis zu 15 Milligramm am Tag. Umso erstaunlicher ist es, dass Vitaminpillen oft nur bis zu vier Milligramm davon enthalten.

Kupfer und Mangan

Vorsicht Schwermetalle. Die Mineralien, von denen der Körper nur geringe Mengen benötigt, sollten im Vitaminpräparat nicht enthalten sein, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Nahrung deckt den Bedarf bereits reichlich.

Die in Apotheken am häufigsten verkauften Präparate enthalten von einigen Nährstoffen nur einen Bruchteil der Referenzmengen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Bei anderen überschreiten sie die empfohlenen Dosen bis um das Dreifache. Wir zeigen, auf welche Werte Sie achten sollten.

Chrom

Eine Extraportion Chrom kann Diabetikern helfen: Das Element verbessert die Wirkung von Insulin, das den Blutzuckerspiegel kontrolliert.

Molybdän

... gehört zu den Schwermetallen: Präparate, die dieses Spurenelement enthalten, sind für Kinder bis zu zehn Jahren ungeeignet, da es sonst leicht zu Überdosen kommen kann. In aller Regel nehmen sie bereits ausreichend davon mit der Nahrung auf.

Selen

Davon ist in Pillenform abzuraten. Zum einen ist es in höheren Dosen giftig. Andererseits fehlen bislang Langzeitstudien, die zeigen, wie das Mineral im Körper wirkt.

Jod

Die Versorgung mit diesem Mineral ist hierzulande mangelhaft. Etwa 15 Prozent der Deutschen nehmen nicht den Tagesbedarf von etwa 0,2 Milligramm zu sich. Die Multivitaminpille hilft dagegen nur begrenzt: Meist enthält sie höchstens die Hälfte der empfohlenen Dosis.

Zink

Für manchen ist Zink aus der Vitaminpille der einzige Weg, um den Bedarf ausreichend zu decken. Vegetarier etwa nehmen das Mineral schlechter auf. Und starker Alkoholgenuss hemmt die Zink-Absorption. Doch auch wer nicht zu diesen Risikogruppen.

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