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Fund vor British Columbia: Das Rätsel um Amerikas lange verschollene Atombombe scheint gelöst

Ungewöhnliche Entdeckung unter Wasser. Erst glaubte er, ein abgestürztes Ufo entdeckt zu haben. Doch dann dämmerte es dem Taucher: Sollte es sich um jene Bombe handeln, die ein Bomber der US Air Force vor Jahrzehnten verloren hatte?

Convair B-36 "Peacemaker"

Der Langstreckenbomber Convair B-36 "Peacemaker" wurde von 1947 bis 1954 gebaut und war bei der US Air Force im Einsatz.

Die Inselgruppe, in deren Gewässern sich die Geschichte zugetragen hat, trägt den indianischen Namen Haida Gwaii. Sie liegt 80 Kilometer vor der Westküste Kanadas im Pazifischen Ozean und hieß bis 2009 Queen Charlotte Islands.

In der Nähe von Banks Island war kürzlich Sean Smyrichinsky mit seinem kleinen Boot unterwegs. "Ich war auf der Suche nach etwas Fisch für den nächsten Tag", berichtet der passionierte Taucher in einem Interview der Canadian Broadcast Corporation. "Ich dachte, ich unternehme einen kurzen Aufklärungs-Tauchgang. Aber beim Tauchen habe ich mich ziemlich weit vom Boot entfernt. Dann fand ich etwas, was ich noch nie zuvor gesehen habe."

Smyrichinsky beschreibt den ungefähr vier Meter großen Gegenstand wie einen "halb aufgeschnitten Bagel". Was sollte das sein? "Ich habe ein Ufo gefunden", berichtete er zunächst seinen Tauch-Freunden. Ob sie wüssten, was dieses mysteriöse Objekt sein könnte?

Doch keiner seiner Kumpels hatte bisher in der Region getaucht. Nur einer seiner älteren Vereinskollegen meinte, dass es sich vielleicht um "die  Bombe" handeln könnte.

Verschollen seit 66 Jahren: the lost nuke

Nicht irgendeine, sondern "the lost nuke", die erste Atombombe, die die US-Streitkräfte verloren hatten. Mitten im Kalten Krieg waren am 14. Februar 1950 drei der sechs Propellermotoren des B-36-Bombers der US Air Force über dem Nordwesten Kanadas in Brand geraten. Zwölf der 17 Besatzungsmitglieder konnten sich per Fallschirm retten. Das Convair-Flugzeug, das von Alaska nach Texas unterwegs war, sollte irgendwo ins Meer gestürzt sein.

Doch das Wrack des Bombers wurde vier Jahre später durch einen Zufall nicht im Wasser, sondern in einer abgelegenen Küstenregion Kanadas gefunden. Allerdings ohne die geheime Fracht im Bauch der Maschine: Über das spurlose Verschwinden einer Atombombe vom Typ Mark IV an Bord der Unglücksmaschine hüllten sich die Vereinigten Staaten über Jahre in Schweigen.

Smyrichinsky hat recherchiert, sich Youtube-Filme über den B-36-Crash angesehen und die Bombe in der typischen Form eines Zeppelins inzwischen wiedererkannt. Zwischen seinem Fundort und der Absturzstelle des Bombers liegen nur 80 Kilometer. Deshalb hat er seine Erkenntnisse dem kanadischen Militär mitgeteilt. Die nimmt die Entdeckung des Tauchers ernst.  "Wir wollen auf Nummer sicher gehen und wollen das genauer untersuchen“, sagt Major Steve Neta. Ein Schiff der Marine ist bereits zur Fundstelle im Meer unterwegs.

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