Zugspitze Staatsanwalt ermittelt nach Todeslauf


Das tödliche Rennen auf die Zugspitze hat ein juristisches Nachspiel: Staatsanwälte und Polizei prüfen derzeit, ob es bei dem Extrem-Berglauf ein Verschulden Dritter gibt. Zwei Läufer waren nach einem Wetterumsturz bei dem Wettlauf ums Leben gekommen.

Der Tod von zwei Sportlern beim Extremberglauf auf der Zugspitze beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft und Polizei. Man prüfe, ob es einen Anfangsverdacht eines Straftatbestands wie fahrlässige Tötung gebe, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. Gegen den Veranstalter des Laufes, die Getgoing GmbH, gebe es derzeit aber kein Ermittlungsverfahren, betonte er. "Im Grundsatz hat jeder Läufer auch eine Verantwortung für sich selbst", sagte Hödl.

Unter anderem gehe es bei der Überprüfung darum, ob die Bergläufer ausreichend informiert worden seien, erklärte der Oberstaatsanwalt. Eine Teilnehmerin des Berglaufs sagte dem Fernsehsender N24, dass am Start Zettel hingen mit einer Warnung vor einem möglichen Wetterumschwung und der Aufforderung, sich warm anzuziehen. Dass dies so war, konnte Hödl nicht bestätigen. Die Bergläufer hätten sich in Sicherheit bringen können. Das wäre auf der "Knorrhütte" oder dem "Schneefernerhaus" an der Strecke möglich gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei Weilheim. Die Läufer waren am Berg von Schnee und eisigem Wind überrascht worden.

Vor dem Ziel zusammengebrochen

Der 41-jährige Uwe M. aus Nordrhein-Westfalen und der 45-jährige Hans P. aus Baden-Württemberg hatten den Großteil des Weges zum Ziel in 2.944 Metern Höhe bereits hinter sich, als sie in 2.800 beziehungsweise 2.700 Metern Höhe zusammenbrachen. Sie hätten sich bis zur völligen Erschöpfung verausgabt, erklärte die Bergwacht. Sie starben noch am Berg trotz stundenlanger Reanimationsbemühungen.

Nach einem Bericht von Ruhrnachrichten.de absolvierte der 41-jährige Marathonläufer aus Witten an diesem Tag den ersten Extrem-Berglauf seines Lebens. "Er wusste vielleicht nicht, was auf ihn zukommt", sagte Teamkollege Ralf Kubeczka dem Internetportal. Der Extrem-Berglauf sei besonders zum Schluss gefährlich. "Das letzte Stück ist besonders anstrengend, weil es kein Laufen mehr ist, sondern Klettern." Kubeczka selbst hat den Extrem-Berglauf auf die Zugspitze dreimal absolviert, jedoch in diesem Jahr pausiert. Nach Informationen von Ruhrnachrichten.de war ein Teamkollege aus Witten wegen des schlechten Wetters umgekehrt und hatte dabei das spätere Todesopfer getroffen. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, die Teamkollegen aus Witten hätten sich noch "Alles in Ordnung" zugerufen.

Das zweite Opfer, ein 45-jähriger Gymnasiallehrer aus Ellwangen, hatte nach Angaben eines Stadtsprechers in der Marathongruppe des Sportvereins trainiert und war mehrfach sportlich ausgezeichnet worden. Erst im vergangenen Jahr habe er den dritten Platz in seiner Altersgruppe bei den Württembergischen Straßenlaufmeisterschaften über zehn Kilometer erreicht. "Der Mann war eigentlich körperlich topfit." Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder im Alter von acht und zehn Jahren. Beide Tote sollen obduziert werden.

Auf der Internet-Seite von Getgoing wurden die beiden Männer in der Liste der "Aussteiger" geführt - Uwe M. mit einer Zeit von zwei Stunden und 36 Minuten, Hans P. mit zwei Stunden und 21 Minuten. Der beste Teilnehmer schaffte den Extremberglauf in zwei Stunden und sieben Minuten. Es gab zwei Strecken, die eine 16,1 Kilometer, die andere 14,7. Ein normaler Bergsteiger braucht neun Stunden dafür.

Außer den zwei Toten gab es noch sechs weitere Notfälle: Fünf Männer und eine Frau wurden erschöpft und unterkühlt ins Klinikum Garmisch-Partenkirschen eingeliefert, konnten am Montag aber wieder ohne bleibende Schäden entlassen werden. Sie hatten wegen des schlechten Wetters mit Rettungstragen und per Seilbahn geborgen werden müssen. Teilweise hätten Streckenposten Läufer, die unterkühlt und erschöpft aussahen, angesprochen und zum Abbruch überreden müssen, sagte Polizeisprecher Klaus Schürgers. Von sich aus hätten viele keine Hilfe gesucht.

"Läufer wie im Rausch"

"Ein Läufer befindet sich wie im Rausch, der hat nur das Ziel vor Augen und sieht sonst gar nichts mehr", sagte Schürgers. Teilweise hätten Streckenposten Läufer, die unterkühlt und erschöpft aussahen, angesprochen und zum Abbruch überreden müssen. Von sich aus hätten viele keine Hilfe gesucht. "Ein Läufer kommt mit so was nicht von alleine heraus", erklärte Schürgers.

Viele der rund 600 Läufer waren am Sonntag mit kurzen Hosen und T-Shirts zum 8. Extremberglauf aufgebrochen. Als das Wetter im Verlauf des Vormittags mit eisigen Winden und Temperaturen um den Gefrierpunkt umschlug und binnen kürzester Zeit mehrere Zentimeter Schnee fielen, verschlechterte sich ihre Situation dramatisch. Gegen 11.45 Uhr ging dann der erste Hilferuf vom Berg ein. Nach Angaben auf der Internet-Seite des Veranstalters erreichte nur ein Drittel der gestarteten Läufer das Ziel. Der Veranstalter war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Vorsitzende der bayerischen Bergwacht, Alois Glück betonte, dass es nicht im Ermessen der Bergwacht gelegen habe, die Veranstaltung abzubrechen, er könne hier keine Fehler entdecken. Er lobte den Einsatz der rund 100 Bergwacht-Mitglieder. Sie hätten ihr Leben riskiert, um Menschen in schwierigstem Gelände zu helfen. Die Suche sei eine Extremsituation gewesen.

AP/DPA AP DPA

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