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Zum Tode von Bob Guccione: Wie "Penthouse" den "Playboy" zum braven Bub stempelte

Bob Guccione ist tot. Doch die Erinnerung an sein bekanntestes Kind, das Männermagazin "Penthouse", lebt weiter. Ein Blick zurück auf den Mann, der die Welt der Pornografie für immer veränderte.

Der "Playboy" ist in aller Munde. Zugegeben, das mag etwas schlüpfrig klingen, beschreibt aber recht treffend die Beliebtheit, die Hugh Hefners Männermagazin noch immer genießt. Zumindest in einschlägigen Kreisen.

Die besten Jahre von "Penthouse" liegen dagegen weit in der Vergangenheit. Auf der Höhe des Erfolgs galt sein Erfinder, der Amerikaner Bob Guccione, als einer der reichsten Männer der USA. 1982 führte ihn das "Forbes Magazine" mit einem Vermögen von 400 Millionen Dollar.

Erwartet hätte diesen Erfolg wohl nicht einmal Guccione selbst, als er 1965 mit "Penthouse" an den Start ging - ursprünglich, um seine stagnierende Karriere als Künstler zu finanzieren. Damals hatte sich Hefners "Playboy" bereits einen Namen am Markt gemacht. Um diese Vormacht zu brechen, konnte es für Guccione nur noch in eine Richtung gehen: Noch schlüpfriger, noch expliziter mussten die Aktfotos werden.

Guccione entschied sich zu einem gewagten Schritt: Erstmals zeigte er die Aufnahmen von weiblichen Geschlechtsteilen und Schambehaarung. Was den meisten Menschen heute nicht einmal mehr ein müdes Lächeln entlockt - damals war es ein ausgemachter Skandal!

Den Lesern gefiel's: Zumindest waren die 120.000 Exemplare der ersten Auflage im Nu vergriffen. Einer Legende zufolge war die Zeitung nämlich dank einer veralteten Adressenliste auch an Priester, Schulkinder, Rentner und Ehefrauen von Parlamentariern versendet worden. Und dieser kleine Missgriff - oder war es doch ein geschickter Marketing-Coup? - sorgte für die nötige Publicity. Dementsprechend expandierte Guccione : Erst in die USA, dann nach Europa. Schließlich wurde "Penthouse" in 16 Ländern gelesen - mit einer monatlichen Auflage von 4,7 Millionen Magazinen.

Doch Bob Guccione hatte mit seinen freizügigen Aktfotos die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet: Pornografie und erotische Aktfotos fanden ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft. Als der Pornofilm "Deep Throat" 1972 in die US-amerikanischen Kinos kam, soll selbst Präsidentengattin Jackie Kennedy zu den Besuchern gezählt haben. Kurzum: Der Schockfaktor war dahin. Daran konnte auch der Richtungswechsel nichts mehr ändern, den "Penthouse" im Jahre 1998 versuchte. Bereits sieben Jahre später wurde der Wandel vom Softcore-Magazin zum Hardcore-Blatt wieder rückgängig gemacht. Guccione hatte sich zu dieser Zeit bereits aus dem Geschäft zurückgezogen.

Bob Guccione starb am Mittwoch im Alter von 79 Jahren im Beisein seiner Frau und seinen Kindern Bob Jr. und Tonina in einem Krankenhaus der texanischen Stadt Plano.

jwi (mit DPA)
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