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"Penthouse" wird 25: Sex - aber bitte mit Stil

Ob blond oder brünett, Hauptsache nackt und hübsch: Die deutsche Ausgabe des Männermagazins "Penthouse" feiert seinen 25. Geburtstag. Im stern.de-Interview verrät Chefredakteur Markus Boden, warum Hardcore-Schmuddel nicht mehr zieht.

"Penthouse" wird 25 Jahre alt. Wie hat sich der Männergeschmack in dieser Zeit verändert?

Ich glaube, er hat sich nicht großartig verändert. Attraktive Frauen mit Idealmaßen sind immer gefragt. Die Männer wollen keine überdimensionalen Busen aber auch keine winzigkleinen: Die Mischung macht's, die Geschmäcker sind schließlich verschieden. Der Trend geht aber nach wie vor zu blonden Mädchen. Allerdings waren zwei der bestverkauftenn Titel seit dem Relaunch im Januar 2006 Ausgaben mit dunkelhaarigen Frauen auf dem Cover.

Wie haben sich die Fotos der Mädchen verändert?

Ich glaube, bei den Lesern eine neue Prüderie oder besser gesagt Zurückhaltung zu entdecken. Die Art der Mädchenfotografie ist softer, edler, cleaner geworden als sie es vor 25 Jahren war.

Welchen Anteil an der Entwicklung hat das Internet?

Das Internet hat eine ganz große Rolle gespielt. Das macht sich am Rückgang der Auflagen aller Männermagazine bemerkbar. Der Markt hat sich in 25 Jahren halbiert. Die schärferen Bilder werden im Internet gesucht. Denn wenn man vor dem Bildschirm sitzt, muss man keine Scham haben. Aber wenn man in den Kiosk geht, gibt es eine Hemmschwelle, sich ein Männermagazin zu kaufen. Das hat dazu geführt, dass alle Männertitel stylischer und edler geworden sind, um sich von den Billigblättern abzusetzen. Schmuddliges wird man deshalb weder bei uns noch im "Playboy" finden.

Wie versuchen Sie, das Internet für sich zu nutzen?

Ich bin der Überzeugung, dass ein Print-Titel ohne Internet nicht mehr funktioniert. Wir nutzen unseren Webauftritt für Interaktivität. Die Mädchen können sich dort zum Beispiel für ein Heftfotoshooting bewerben. Zudem kann man online mehr zeigen als im Heft - etwa weitere Details über ein vorgestelltes Auto. Auch die Fotostrecken der Mädchen werden im Internet verlängert.

Früher gab es nur "Playboy" oder "Penthouse". Heute zeigen auch Hefte wie "Matador" und "FHM" viel nackte Haut. Wie reagiert ein traditionelles Männermagazin wie das Ihrige auf diese Konkurrenz?

Meine Philosophie ist ganz einfach: Ich möchte den Leser nicht in Bereichen bedienen, in denen wir keine Kernkompetenz haben. Ich brauche keinen Wissenschaftsteil. Ich will den Leuten Entertainment bieten, sie zum Lachen bringen und mit erotischen Fotostrecken von schönen Mädchen Klasse zeigen. Vor allem aber will ich auf eine witzige und unterhaltsame Art über Erotik sprechen. Das ist unser Hauptthema. Daneben bedienen wir verschiedene Männerinteressen wie Interviews mit Prominenten, Autos, Abenteuer oder Mode.

Interessiert das die Leser wirklich oder kaufen sie "Penthouse" eigentlich nur wegen der nackten Mädchen?

Nicht unbedingt. Schon immer sind die meistgelesenen Rubriken die Sex-Beratung und das Forum, in dem Männer und Frauen über ihre sexuellen Erlebnisse schreiben.

Wie viele Frauen kaufen sich "Penthouse"?

Das ist nicht zu beziffern. Ich möchte aber, dass die Männer ihre "Penthouse"-Ausgabe nicht verstecken und auch ihre Frauen das Heft lesen. Ich bekomme viele Zuschriften von Frauen, die unser Magazin loben. Denn sie wollen schließlich wissen, wie ihr Typ tickt.

Das deutsche "Penthouse"-Magazin wurde 2002 eingestellt. Warum eigentlich?

"Penthouse"-Gründer Bob Guccione hat einen fatalen Irrtum begangen. Er ist ein Opfer des Internets geworden. Zuerst war Guccione orientierungslos eingekeilt zwischen dem lifestyligen "Playboy" und dem pornografischen "Hustler". Dann kam das Internet. Er wollte mit dem Internet auf der pornographischen Ebene konkurrieren. Penthouse ist deshalb abgedriftet in die Pornographie. Das war übrigens auch der Grund, warum der deutsche Verleger die deutsche Lizenz im Jahr 2002 nicht mehr verlängert hat. Denn er hat jeden Monat Lizenzgebühren bezahlt. Im Gegenzug durfte er zwar die Bilderstrecken aus den USA zeigen. Aber die waren so pornografisch, dass er sie nicht mehr veröffentlichen konnte.

Aber das Magazin gibt es ja nicht nur in Deutschland sondern in insgesamt zehn Ländern. Wie unterscheidet sich der Frauengeschmack deutscher Männer von dem von Männern in anderen Ländern?

Das kann ich nicht beantworten. Wenn ich Ihnen das sagen könnte, hätte ich die Titelfrage endgültig gelöst. Ich glaube aber, dass die nationale Identität eine gewisse Rolle spielt. Ich kann mir etwa nicht vorstellen, dass ein Thai-Mädchen auf dem Titel gut ankommen würde. Wir produzieren deshalb für jede Ausgabe ein deutschsprachiges Mädchen, das Penthouse auch nach außen repräsentieren kann. Das ist für die Identifikation der Leser sehr wichtig. Das macht außer uns nur der Playboy so konsequent.

Was unterscheidet Penthouse vom Playboy?

Der Playboy ist ein gutes Produkt, dass seine Marke über die Jahre perfekt gepflegt hat. Inhaltlich reden wir deutlicher über Erotik, aber wir gehen nicht so auf Prominentenjagd wie der Playboy. Denn der Druck wird irgendwann wahnsinnig hoch, in jedem Heft eine prominente Frau zu zeigen. Das führt schnell zu Wiederholungen oder zu C- und D-Prominenz. Es gibt in Deutschland einfach zu wenige Stars. Wenn wir die Möglichkeit haben, Stars zu zeigen machen wir es. So wie in der nächsten Ausgabe, bei der wir mit den amerikanischen Kollegen kooperieren, und Dita von Teese zeigen. Aber ansonsten steht bei vielen Stars der finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Welche deutschen Stars würden sie gerne auf Ihrem Heftcover sehen?

Michelle Hunziker wäre nicht schlecht. Sie ist zwar nicht deutsch aber in Deutschland sehr bekannt. Aber davon muss man nicht mal träumen. Das ist finanziell nicht zu stemmen, und sie würde es wahrscheinlich auch nicht machen. Ansonsten fallen mir noch Heidi Klum und Eva Padberg ein, die wären schick.

Was ist mit Skandal-Sternchen wie Paris Hilton und Britney Spears?

Zeigen würde ich sie schon, selbstverständlich. Britney Spears ohne Haare ist allerdings nicht so sexy. Aber das ist völlig hypothetisch.

Wer waren denn die großen Stars in 25 Jahren deutscher Penthouse?

Madonna, die Ex-Schönheitskönigin Vanessa Williams, die Schauspielerinnen Beatrice Richter und Elisabeth Volkmann. Der Knaller war aber Iris Berben im April 1987. Die Aufnahmen waren außergewöhnlich schön, und ich würde nicht nein sagen, wenn sich Frau Berben heute nochmals fotografieren lassen wollte. Zeigen könnte sie sich allemal, ähnlich wie Uschi Obermeier vor kurzem im stern.

Welche Frau würden Sie für sich persönlich gerne auf dem Cover haben?

Ich bin mit denen glücklich, die wir auf dem Cover haben. Aber träumen ist ja erlaubt. Nicole Kidmann wäre ein solcher Traum. Mit der würden wir soviel Hefte verkaufen wie vor 25 Jahren.

Interview: Malte Arnsperger
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