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Angeschossene Sanitäterin in Kiew: Auf Twitter wurde sie totgesagt - doch Oleysa lebt

"Ich sterbe", twittert eine Sanitäterin, die auf in Kiew auf dem Maidan angeschossen wurde. Danach bleibt es auf ihrem Account still. Doch Oleysa hat überlebt - und entschuldigt sich.

Von Carolyn Moyé

Oleysa Zhukovskaya arbeitete am Donnerstag als Sanitäterin auf dem Maidan. Die 21-Jährige half, wo sie konnte, verband Wunden, spendete Trost. Ein T-Shirt mit einem roten Kreuz zeigte deutlich, dass sie als Sanitäterin eine neutrale Position hatte. Der Protest auf dem Unabhängigkeitsplatz eskalierte. Scharf- und Heckenschützen bezogen Stellung, trotz vereinbarter Waffenruhe. Oleysa war pausenlos im Einsatz und twitterte trotzdem.

Wie viele Gleichgesinnte wollte sie die Welt an den Geschehnissen in Kiew teilnehmen lassen. Wahrscheinlich hatte sie ihr Handy gerade in der Hand, um einen Tweet abzusetzen, als sie selbst von einer Kugel getroffen wurde. Sie blieb trotz der Verletzung bei Bewusstsein, suchte aber keine Hilfe - sondern twitterte: "Ich sterbe."

Ein Bild, das die Times veröffentlichte, zeigte, wie sie eine blutende Wunde am Hals zuhält.

Das Chaos und die Gewalt auf dem Maidan verfolgt die ganze Welt über Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook. Nachdem Oleysa ihren Tweet abgesetzt hatte, bleibt es still auf ihrem Account, ihre Geschichte verbreitete sich. Der Twitteraccount @EuroMaidan meldete wenige Stunden später, Oleysa sei gestorben, was eine Welle mitfühlender Tweets auslöste.

In der Tweetflut ging eine Nachricht von Vitalii Sediuk, einem Reporter, fast unter: "Oleysa Zhukovskaya lebt!! Sie wurde operiert."

Nun verbreiteten sich beide Nachrichten munter durchs Netz. In der einen Version kämpfte Oleysa um ihr Leben, in der anderen wurde sie betrauert. Die Ärzte versuchten, in einer Not-OP Oleysas Leben zu retten, während die Twittergemeinde Beileidsbekundungen, aber auch Zusprache aus allen Teilen der Erde sendete.

Freitagnachmittag meldete sich Oleysa selbst per Tweet. Sie lebt und bedankt sich auf Ukrainisch bei allen, die sie unterstützt und für sie gebetet haben. Sie sei stabil und entschuldigt sich, dass sie keine Anrufe entgegennehmen kann. Ihr fällt das Sprechen schwer.

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