Gaza Israel beginnt mit Abzug


Israelische Waffen und Uniformen verließen als erstes den Gaza-Streifen: Im Stützpunkt Neve Dekalim hat nun der Abzug Israels aus dem besetzten Gebiet begonnen.

Die israelischen Streitkräfte haben am Mittwoch erste Vorbereitungen für den Rückzug aus dem Gazastreifen getroffen. Im Stützpunkt Neve Dekalim wurden 30 Container mit Waffen und Uniformen auf Lastwagen geladen. Der erste Lkw verließ den Stützpunkt und fuhr über die Grenze nach Israel, wie ein Militärsprecher mitteilte.

Abzug erst nach Abzug jüdischer Siedler

Neve Dekalim ist Sitz der israelischen Südbrigade. Vollständig geräumt wird der Militärstützpunkt erst nach dem Abzug aller jüdischen Siedler aus der Region. Nach der bisherigen Planung soll der Abzug im Juli beginnen. Die israelische Regierung erwägt jedoch zurzeit eine Verschiebung bis Mitte August.

Erst am Dienstag konnte sich das israelische Kabinett nicht entscheiden, ob der Abzug aus dem Gazastreifen verschoben werden soll. Eine stürmische Sitzung endete ohne Ergebnis. Während der Beratungen soll auch Ministerpräsident Ariel Scharon wieder seine Meinung geändert haben, der tags zuvor die Verschiebung noch befürwortet hatte. Die Minister verständigten sich darauf, die Empfehlungen der Streitkräfte abzuwarten, die in den nächsten Tagen erwartet wird.

Geordneter Rückzug mit Absprache der Siedler

Einige Kabinettsmitglieder deuteten an, dass die Regierung mehr Zeit für die Vorbereitung des Rückzugs benötige. So begannen etwa die Verhandlungen mit den Siedlern über Entschädigungszahlungen erst vor kurzem, nachdem die Bewohner über Monate gegen die Räumung der Siedlungen gekämpft hatten. Ein geordneter Rückzug erfordere einen Dialog mit den Siedlern, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Schimon Peres. Das Kabinett werde die Beratungen über eine Verschiebung des Abzugs fortsetzen und wohl in zwei oder drei Tagen entscheiden, sagte Peres weiter.

Verteidigungsminister Schaul Mofas wurde während eines Besuchs der Siedlung Neve Dekalim im Gazastreifen von etwa 100 aufgebrachten Bewohnern bedrängt. Die Menge umringte den von rund einem Dutzend Sicherheitsbeamten abgeschirmten Minister, beschimpfte ihn und forderte seinen Rücktritt. Ein geplantes Gespräch mit den Siedlern kam nicht zu Stande, weil diese sich weigerten, mit dem Minister zu sprechen. Mofas wollte die Bewohner über die Abzugspläne informieren.

DPA/AP AP DPA

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