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Lynchmord in Guatemala: "Es war die gesamte Stadt"

In Guatemala hat ein wütender Mob eine Frau zu Tode geprügelt, weil sie der Tötung eines kleinen Mädchens zum Zweck der Organentnahme verdächtigt wurde. Das Kind war tags zuvor mit abgeschnittenem Arm und entfernten Augen gefunden worden.

Mindestens 2000 Menschen hätten die Frau auf den Marktplatz gejagt und umgebracht, sagte der Polizeichef der an der Grenze zu Honduras gelegenen Stadt Camotan. "Es war die gesamte Stadt." Zwei weitere Frauen konnten von der Polizei gerade noch vor der Menschenmenge gerettet worden. Eine von ihnen sei in Brand gesetzt worden und werde nun in einem Krankenhaus behandelt, hieß es. Die andere sei im Gefängnis.

Das neunjährige Mädchen war am Donnerstag verschwunden. Einen Tag später wurde seine Leiche auf einer unbefestigten Straße gefunden. Der Polizei zufolge war dem Kind ein Arm abgeschnitten, die Augen entfernt und der Brustkorb freigelegt worden. Möglicherweise hätten die Mörder versucht, Herz und Nieren zu entnehmen. Einige Bewohner hätten ausgesagt, gesehen zu haben, wie eine der Frauen das Kind entführt habe.

In den armen Gegenden Guatemalas herrscht eine tiefverwurzelte Angst, Kinder könnten zum Zweck der Organentnahme entführt werden. Oft basieren die Ängste nur auf Gerüchten. In den vergangenen zehn Jahren kamen in dem Land hunderte Menschen durch Lynchmorde zu Tode.

DPA

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