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Angeblicher Anti-Covid-Drink: Madagaskar feuert Bildungsministerin – weil sie zwei Millionen Dollar für Lollis ausgeben wollte

Politikposse in Madagaskar: In dem afrikanischen Land feuert der Präsident die Bildungsministerin, weil diese jede Menge Lutscher kaufen wollte. Was das mit einem angeblichen Anti-Covid-Drink zu tun hat.

Die geplanten Lutscher sollten den Geschmack eines bitteren angeblichen Covid-Heilmittels überdecken

Die geplanten Lutscher sollten den Geschmack eines bitteren angeblichen Covid-Heilmittels überdecken

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Der Präsident von Madagaskar hat seine Bildungsministerin gefeuert, nachdem deren Pläne bekannt geworden waren, für rund zwei Millionen Dollar Lollis für Schüler zu kaufen. Das berichten mehrere lokale Medien sowie die britische BBC. Der Grund für die ungewöhnliche Maßnahme von Ministerin Rijasoa Andriamanana: Die Süßigkeiten, drei an der Zahl pro Schüler, sollten eben jenen über den bitteren Geschmack eines angeblichen Anti-Covid-Drinks hinweghelfen. 

In Madagaskar, und so ähnlich auch in einigen anderen afrikanischen Ländern, wird eine Art Kräutertee als angebliches Covid-Heilmittel beworben – und zwar nicht zuletzt vom madagassischen Präsidenten selbst. Zwar gibt es dafür scharfe Kritik, etwa von der Weltgesundheitsorganisation oder laut der BBC auch aus dem Inland von der nationalen Medizinhochschule Madagaskar. Es gebe keinerlei Beweise für die Wirksamkeit des Kräuterdrinks, keine Studie habe dies überprüft, heißt es. Das hält Präsident Andry Rajoelina demnach allerdings nicht davon ab, den Drink als Wundermittel zu bewerben.

Madagaskars Präsident Andry Rajoelina nimmt einen Schluck vom angeblichen Heilmittel während einer Pressekonferenz im April

Madagaskars Präsident Andry Rajoelina nimmt einen Schluck vom angeblichen Heilmittel während einer Pressekonferenz im April, auf der das in seinem Land entwickelte Getränk präsentiert wurde

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Die Kritik an dem Produkt habe er weggewischt als Zeichen der herablassenden Einstellung des Westens gegenüber Afrika. "Wenn ein europäisches Land dieses Heilmittel entdeckt hätte, gäbe es so viele Zweifel? Ich denke nicht", sagte er dem französischen Nachrichtensender France 24. Das von internationalen Experten als nutzlos gebrandmarkte Getränk sei "grünes Gold" und werde "die Geschichte verändern". Das Land wollte auch am Export des Drinks verdienen.

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Die Bildungsministerin aber wurde den Berichten zufolge entlassen, nachdem sie vor Journalisten ihre Pläne dargelegt hatte, für zwei Millionen Euro Lutscher und andere Süßigkeiten zu erwerben. Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Entsprechend stießen die Investitionspläne auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. Der Präsident habe die Idee gestoppt und die Ministerin von ihren Pflichten entbunden. 

Laut Zahlen der Johns Hopkins Universität sind in Madagaskar bisher offiziell etwas mehr als 1000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Es hat acht Todesfälle gegeben. Madagaskar hat rund 26 Millionen Einwohner.

Quellen: BBC / Africa CGTN / Africa Feeds / John Hopkins Universität

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