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Venezuela: Chavez sieht noch mehr Staatsfeinde

Erst machte Hugo Chavez den Sender RCTV dicht, nun ist auch der oppositionelle Kanal Globovision gefährdet. Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" sieht die Pressefreiheit massiv gefährdet.

Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat nach der Schließung des regierungskritischen Fernsehsenders RCTV die Kritik an einem weiteren Oppositionskanal verschärft. Der Sender Globovision sei staatsfeindlich, sagte Chavez in einer Aufzeichnung, die von allen TV-Stationen ausgestrahlt werden musste. "Feinde des Heimatlandes, vor allem ihr im Hintergrund, ich gebe euch einen Namen: Globovision." Der Sender habe versucht, zu einem Attentat auf ihn anzustacheln und irreführend über die Proteste gegen die Schließung von RCTV berichtet. Im Zweifel werde er tun, was notwendig sei, sagte der Präsident offenbar in Anspielung auf mögliche Schließung auch von Globovision.

Die Station ist nach dem Ende von RCTV das wichtigste Medium der Opposition. Die linksgerichtete Regierung um Chavez hatte bereits zuvor von der Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Globovision gefordert. Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" warnte vor einer Bedrohung der Pressefreiheit. "Gestern haben wir die Übernahme des wichtigsten gegenüber Präsident Chavez kritischen Mediums gesehen", sagte Amerika-Chef Benoit Hervieu. "Welcher Fernsehsender außer Globovision bleibt übrig, der die Regierung von Herrn Chavez kritisieren kann?"

Anfang der Woche hatte RCTV auf Anordnung von Chavez seinen Betrieb eingestellt. Der Präsident wirft Globovision, RCTV und anderen vor, mit ihren Programmen einen Putsch gegen die Regierung unterstützt zu haben. Auch international wird venezolanischen Oppositionsmedien vorgeworfen, journalistische Standards wie das Streben nach Objektivität zu verletzen.

Reuters / Reuters
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