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Weitere Demonstrationen in Jemen "Bis zum Sturz des Schlächters"


Nach einem Angriff auf Demonstranten im Jemen ist die Opferzahl auf 52 gestiegen. Bei der stundenlangen Schießerei wurden 126 Menschen verletzt. Die Demonstranten zeigten sich dennoch entschlossen, ihre Protestaktionen fortzusetzen.

Trotz eines am Vortag verhängten Ausnahmezustands sind am Samstag die Proteste gegen die Herrschaft von Präsident Ali Abdullah Saleh im Jemen weitergegangen. Zehntausende Menschen versammelten sich im Zentrum von Sanaa, um den Rücktritt des Staatschefs zu fordern. Am Vortag hatten Scharfschützen in Zivil von Dächern aus auf die Massendemonstrationen geschossen.

Die Zahl der Opfer des Angriffs ist auf 52 gestiegen. Mehrere weitere Demonstranten seien ihren Verletzungen erlegen, sagte am Samstag ein Arzt der improvisierten Krankenstation am Eingang der Universität, wo am Vortag die Proteste stattgefunden hatten. Bei der stundenlangen Schießerei wurden demnach 126 Menschen verletzt. Zuvor war von 46 Todesopfern die Rede gewesen.

Die Demonstranten gaben sich unterdessen entschlossen, ihre Protestaktion auf dem Platz vor der Universität fortzusetzen. "Wir geben nicht auf bis zum Sturz des Schlächters", riefen die Demonstranten mit Bezug auf Präsident Ali Abdallah Saleh. Die Opposition erhielt am Samstag Verstärkung durch tausende Lehrer, doch auch die Polizei verstärkte ihre Präsenz.

Saleh hatte am Freitag den Tod der Demonstranten bedauert, zugleich aber die Räumung des Platzes gefordert, den die Demonstranten seit fast vier Wochen besetzt halten. Der seit 32 Jahren regierende Präsident rief zudem den Ausnahmezustand aus. Dieser gibt den Behörden theoretisch die Möglichkeit, etwa das Demonstrationsrecht einzuschränken und Kundgebungen gewaltsam aufzulösen.

Wie ein AFP-Reporter berichtete, hatten am Freitag Heckenschützen und die Polizei das Feuer auf die nahe der Universität versammelte Menge eröffnet, als Demonstranten eine Polizeiabsperrung abzubauen versuchten. Nach Angaben von Augenzeugen handelte es sich bei den auf den umliegenden Dächern postierten Schützen um Anhänger des Präsidenten. Demnach wurden mehrere der Schützen gefangen genommen, mindestens einer wurde vom Dach gestürzt. Es war der blutigste Tag seit Beginn der Proteste Ende Januar.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte am Freitag die USA auf, ihre Militärhilfe für den Jemen auszusetzen. Bis Saleh nicht die Angriffe auf die "weitgehend friedlichen Demonstranten" einstelle, müsse Washington die Hilfszahlungen einstellen. Nach Angaben von HRW haben die USA dem Jemen, der ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida ist, in den vergangenen fünf Jahren 300 Millionen Dollar (212 Millionen Euro) überwiesen.

DPA/AFP DPA

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