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Wo die Pandemie begann Wuhan nach dem Lockdown zeigt, wie das "neue Normal" auch bei uns aussehen könnte

Einkaufen in Wuhan, Mitte April
Einkaufen in Wuhan, Mitte April
© Hector Retamal / AFP
Die chinesische Millionenstadt Wuhan war die erste weltweit, die wegen des Coronavirus dichtgemacht wurde. Nun ist sie wieder offen, doch vieles ist nicht mehr wie vorher.

Als Anfang des Jahres die Coronakrise hier noch in weiter Ferne schien, war sie im chinesischen Wuhan bereits in vollem Gang. Überall Masken und Schutzanzüge, abgesperrte, leere Straßen und Menschen, die ihre Wohnungen nicht verlassen durften. Nur wenige Wochen später erreichten diese Zustände auch Europa, Nordamerika und fast die ganze Welt.

Wochen später lohnt erneut der Blick dorthin, wo die Pandemie ihren Anfang nahm. Wuhan war von Ende Januar bis Anfang April quasi abgeriegelt. Nun nimmt das Leben langsam wieder Fahrt auf, doch berichten mehrere Medien von vor Ort, dass das Coronavirus seine Spuren hinterlassen habe. Zwar sind die meisten Beschränkungen offiziell aufgehoben, viele Geschäfte bleiben laut CNN jedoch weiterhin geschlossen. Andere passten sich an an die "neue Normalität", wie sie hierzulande von Politikern aktuell beschworen wird. Kleine Läden etwa würden ihre Einrichtung draußen vor der Tür aufbauen, damit die Menschen sich nicht in ihr Geschäft drängeln müssten. Restaurants würden Speisen hauptsächlich zum Liefern oder Abholen anbieten, bei manchen dürfe man auch draußen sitzen.

"Ich habe meinen Laden für zwei Tage aufgemacht. Keiner kam zum Essen und ich habe nur zwei oder drei Lieferaufträge bekommen. Die Kosten, offen zu haben, waren sehr viel höher, als meine täglichen Einnahmen, also habe ich wieder zugemacht", berichtet ein Restaurantbesitzer in der von der Regierung kontrollierten "Global Times". 

Mehreren Medienberichten zufolge kämpfen viele Geschäfte in Wuhan mit den hohen Mieten bei weniger Umsatz
Mehreren Medienberichten zufolge kämpfen viele Geschäfte in Wuhan mit den hohen Mieten bei weniger Umsatz
© China out / Getty Images

Die "neue Normalität" in Wuhan

Auch das Straßenbild sei ein anderes, berichtet CNN. Die Menschen würden Schutzkleidung, vor allem Gesichtsmasken, tragen und wo es geht weiterhin 1,5 Meter Abstand zueinander halten. Das dichte Gedränge, dass Wuhan vorher so charakterisiert hätte, sei noch nicht zurückgekehrt. Viele blieben weiterhin lieber, wo es geht, daheim. Das spüren natürlich die Läden vor Ort. Der BBC erzählte eine Angestellte aus einem Einkaufszentrum, dass heute im Schnitt nur 10.000 Menschen täglich kämen, wo vorher rund 60.000 gekommen seien.

Mehrere Geschäfte schildern, wie sie aufgrund von hohen Mieten und wegbrechenden Umsätze ins Schwanken gerieten. Wenige wollten ihre Namen in den Berichten lesen. Zu groß sei die Angst vor Konsequenzen durch den Staat. Dass noch nicht alles rund laufe, scheine nichts, womit man in China gerne offen umgehe.

Ohnehin handhaben die Chinesen in dieser Krise vieles anders. Der Lockdown war massiver als in anderen Teilen der Welt. Straßen wurden mit Barrieren und Polizei-Checkpoints abgesperrt, keiner kam mehr raus. Und wo das deutsche Gesundheitsamt bei Menschen unter häuslicher Quarantäne freundlich um regelmäßige Übermittlung der Temperatur bitte, kämen in China "jeden Tag Leute und messen bei uns Fieber", wie eine Frau bei der BBC erzählt.

Arbeiten am Wuhan Greenland Center, einem 636 meter hohen Wolkenkratzer
Arbeiten am Wuhan Greenland Center, einem 636 meter hohen Wolkenkratzer
© China Out / AFP

Als die CNN-Reporter Mitte April im Hotel einchecken, wird bei ihnen die Temperatur gemessen und sie werden von Angestellten mit Desinfektionsmittel abgesprüht. Im Fahrstuhl sei ihnen ein Tuch gereicht worden, um den Knopf zu drücken.  

Die Angst vor der zweiten Welle

Was allerdings auch in China gilt: Besonders die kleinen Läden sind besonders von der Krise getroffen. Ihnen fehlen die Reserven, um die Dürre zu überdauern, sie kommen schlechter an Kredite und das Geschäft läuft auch nach dem Lockdown nur wieder langsam an, wie eine auf Asien spezialisierte Analystin CNN erklärt.

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Was ebenfalls in China bereits um sich greift, und auch hier bald Realität sein könnte: Die Angst vor einer zweiten Welle von Infektionen. CNN sprach mit mehreren Menschen vor Ort, die eben diese fürchteten, jetzt wo das Leben langsam wieder Fahrt aufnehme. Denn auch in China gibt es zahlreiche Corona-infizierte Menschen, die über keine Symptome berichten trotz eines positiven Tests. Gerade am Wochenende meldeten die örtlichen Gesundheitsbehörden19 solcher Fälle aus Wuhan.

Quellen:CNN / BBC / CNN (2) / Globaltimes

fin

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