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Amokläufer: "Jesus hat meine Hand ergriffen"

Bewaffnet mit einem Samuraischwert richtete ein Mann in der Kirche ein Blutbad an, in der seine Angebetete einen anderen geheiratet hat. Vor Gericht erklärt er nun, er sei geschickt worden, von Jesus Christus persönlich.

"In diesem Moment hat Jesus Christus meine Hand ergriffen", sagte der 25-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Stuttgart. "Er war es, der geschnitten hat." Der Mann war am ersten Aprilsonntag mit einem Samuraischwert in einen Gottesdienst einer evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Stuttgart-Zuffenhausen eingedrungen. Mit Schwerthieben und -stichen tötete er eine Frau und verletzte drei weitere Gläubige zum Teil lebensgefährlich.

Wegen religiöser Wahnvorstellungen beantragte die Staatanwaltschaft seine unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Der Täter habe in schuldunfähigem Zustand gehandelt. Das Urteil wird voraussichtlich am 14. Dezember verkündet. Bis dahin sollen in vier weiteren Verhandlungen Zeugen aussagen und Gutachter zum Gesundheitszustand des Angeklagten gehört werden.

Objektiv gesehen Totschlag

"Objektiv gesehen hat er sich des Totschlags und des versuchten Totschlags in drei Fällen schuldig gemacht", sagte Staatsanwalt Thomas Schek. Der Mann sei in die Kirche eingedrungen und habe während des von 70 Menschen besuchten Gottesdienstes auf einige Gläubige eingeschlagen und eingestochen. Eine 43-jährige Frau verblutete. Sie hatte sich laut Anklage über ihren 52-jährigen Mann gebeugt, dem der Täter das Schwert zuvor in den Unterleib gestoßen hatte. Einem jungen Mann wurde die linke Hand abgetrennt, die in einer 16-stündigen Operation wieder angenäht wurde.

Staatsanwalt Schek sagte, der Angeklagte habe sich zur Tatzeit in einem religiösen Wahn befunden. Er habe angegeben, dass er verschiedene Stimmen gehört hat, darunter die Stimme von Jesus. "Es war sehr früh klar, dass er an einer paranoiden Schizophrenie leidet", sagte Schek. Daher habe sich die Anklagebehörde entschlossen, den Täter bis auf weiteres in eine geschlossene Klinik einzuweisen.

Angeklagter mit Gedächtnislücken

Der geständige Mann erläuterte, er könne sich an den eigentlichen Tatverlauf nicht mehr erinnern. "Ich habe anschließend eine Hand gesehen und Blut", sagte der in Deutschland geduldete Mann. Er räumte ein, bereits früher in Gottesdienste der Gemeinde eingedrungen zu sein, unter anderem mit einer Gaspistole.

Am Vortag des Amoklaufs hatte eine junge Frau geheiratet, in die der Täter eigenen Angaben zufolge verliebt war. Er selbst war noch in Sri Lanka vom Hinduismus zum Christentum übergetreten.

DPA / DPA