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Ennepetal: Geiseln sind frei

Die Geiselnahme von vier Mädchen im nordrhein-westfälischen Ennepetal ist beendet. Ein Polizeisprecher teilte mit, der Täter sei überwältigt worden. Zum Zustand der Geiseln konnte er noch nichts sagen.

Die vier Geiseln von Ennepetal sind frei. Wie Polizeisprecher Jörg Blaszyk sagte, ist der Zugriff erfolgt. Über mögliche Verletzungen eines Beteiligten könne er noch keine Angaben machen.

Der mit zwei Messern bewaffnete Mann hatte am Mittag einen Schulbus überfallen und mehrere Kinder als Geiseln genommen. Augenzeugen berichten, der Geiselnehmer habe den Bus, der Kinder vom Reichenbach-Gymnasium nach Hause brachte, kurz vor 13.00 Uhr bestiegen. Plötzlich habe er ein Messer gezogen und den Fahrer bedroht. Dann habe er noch im Bus neun oder zehn Kinder mit einer Schnur aneinander gefesselt. Im Meisenweg zwang er zehn Kindern und den Fahrer mit ihm auszusteigen. Nach dem Verlassen des Busses konnten mehrere Kinder allerdings fliehen. Als in der Nähe eine Frau die Tür ihres Einfamilienhauses öffnen wollte, stieß der Geiselnehmer sie zur Seite und drang mit den übrigen Geiseln in das Gebäude ein.

"Ich habe Probleme mit der Regierung"

Offenbar wollte der Iraner mit der Geiselnahme eine Einreise seiner Kinder nach Deutschland erzwingen. Im Bus habe er gesagt: "Meine Kinder sind im Iran. Ich will eine Zusammenführung", sagte Renate Schulte, deren 16-jähriger Sohn im Bus war und dem Geiselnehmer im letzten Moment entkommen konnte. Außerdem habe der Täter beteuert: "Ich tue euch nichts. Ich habe euch lieb wie meine eigenen Kindern."

"Der Mann war ruhig und gelassen, als wenn er das Ganze geplant hätte", sagte eine Jugendliche. Sie hatte gerade den Bus verlassen wollen, als der Täter im hinteren Teil ein Messer zog. Die 14-jährige Maren, die dem Iraner entkommen konnte, berichtete, der Mann habe zwei Messer mit etwa 20 Zentimeter langen Klingen gehabt. Er habe gesagt: " Ihr seid meine Geiseln, denn ich habe Probleme mit der deutschen Regierung." Ein weiterer Schüler erzählte, der Busfahrer habe versucht, die Mädchen zu schützen. "Aber immer, wenn er dem Täter näher kam, zückte er sofort sein Messer", so der Zeuge.

Das Haus, in dem sich der Geiselnehmer verbarrikadierte, war am Nachmittag von der Polizei weiträumig abgesperrt worden. Am frühen Nachmittag waren die Beamten noch bemüht, überhaupt Kontakt zu dem Geiselnehmer herzustellen.

AP/DPA / AP / DPA
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