Gesundheitsreform Ärzte wollen für Beratung von Patienten privat kassieren


Ärzte wollen von Patienten für Beratung privat kassieren – Brillenverordnung soll künftig 25 Euro extra kosten

Hamburg - Für Patienten werden die Belastungen durch die Gesundheitsreform größer als bisher bekannt. Wie der stern berichtet, wollen die Ärzte künftig die Beratung zu Leistungen, die die Kassen nicht mehr erstatten dürfen, privat in Rechnung stellen. Dies gilt zum Beispiel für die Verordnung von Brillen oder die Verschreibung von Potenzpillen wie Viagra.

Am offensivsten gehen in dieser Frage die Augenärzte vor. Ihre Logik: Wenn die Kassen keine Brillengläser mehr bezahlen dürfen, dann sind auch die entsprechenden Vorarbeiten keine Kassenleistung mehr, sondern eine so genannte "individuelle Gesundheitsleistung" (IgeL), die privat abgerechnet wird. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Köhler bestätigte gegenüber dem stern den neuen Kurs: "Die Brillenbestimmung ist eine IGeL-Leistung." Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte soll eine private Brillenverordnung ab sofort rund 25 Euro kosten.

Ähnlich soll künftig bei der Beratung zu Arzneimitteln vorgegangen werden. Wer mit Potenzmitteln wie Viagra sein Stehvermögen steigern will, muss danach künftig nicht nur die Pillen privat bezahlen, sondern auch das Gespräch beim Urologen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung prüft nach stern-Informationen, sogar die Beratung zu allen frei verkäuflichen Medikamenten kostenpflichtig zu machen, die ab sofort nicht mehr zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden dürfen. Damit könnten künftig auch Beratungsgespräche zu Schmerz- oder Magenmitteln privat in Rechnung gestellt werden.


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