GÜTERZUG-UNGLÜCK Giftgaswolke nach Kollision zweier Züge


Beim Zusammenstoß von zwei mit Chemikalien beladenen Güterzügen sind am Montagabend im Bahnhof von Bad Münder bei Hameln hochgiftige Gase frei gesetzt worden.

Beim Zusammenstoß von zwei mit Chemikalien beladenen Güterzügen sind am Montagabend im Bahnhof von Bad Münder bei Hameln hochgiftige Gase frei gesetzt worden. Es habe aber keine Gefahr für die Anwohner bestanden, sagte eine Sprecherin des Bundesgrenzschutzes in der Nacht zum Dienstag. Nachdem ein Kesselwaggon mit der Krebs erregenden Chemikalie Epichlorhydrin explodiert war, mussten rund 200 Anwohner ihre Häuser vorsorglich verlassen. Sie konnten aber noch in der Nacht zurückkehren. Bei dem Unfall wurden nur die beiden Lokführer leicht verletzt.

Keine Giftgasgefahr

»Es hätte mehr passieren können, wenn der Unfall im Berufsverkehr passiert wäre«, sagte die Sprecherin. Die Einsatzkräfte seien schnell am Unglücksort gewesen. Zur Sicherheit hatten sie im Umkreis von rund 25 Kilometern alle Bürger aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gegen ein Uhr gab die Feuerwehr nach den Ergebnissen der Schadstoffmessungen Entwarnung. Gefahr durch giftige Gase bestehe nicht. Allerdings blieb der Unglücksort in einem Umkreis von 100 Metern gesperrt. Hier könne noch Explosionsgefahr bestehen, hieß es.

Krebserregend und hochexplosiv

Einer der Züge hatte das ätzende Epichlorhydrin geladen, das leicht entzündlich und hochexplosiv ist. Der Krebs erregende Stoff wirkt stark reizend auf Augen und Schleimhäute und kann je nach Kontakt zu Kopfschmerzen, Übelkeit oder Lungenödemen führen. Aus der Flüssigkeit, die unter anderem bei der Herstellung von Klebstoff verwendet wird, können sich die hochgefährlichen Gase Chlorwasserstoff und Phosgen bilden.

Der Unfall ereignete sich gegen 21.00 Uhr. Mehrere Wagen gerieten in Brand. Eine dreiviertel Stunde später explodierte ein Waggon. Die Ursache für das Unglück war nach Polizeiangaben zunächst völlig unklar. »Der Bundesgrenzschutz (BGS) ermittelt in alle Richtungen«, sagte eine Sprecherin des BGS am frühen Dienstagmorgen. Erst bei Tagesanbruch und nach ersten Aufräumarbeiten könnten die Beamten ihre Arbeit aufnehmen. An der Unfallstelle waren nach Augenzeugenberichten mehrere Waggons entgleist und standen quer zu den Schienen. Der Unglücksort, der Bahnhof von Bad Münder, liegt etwa einen Kilometer außerhalb der 20 000 Einwohner zählenden Kurortes.

Strecke zunächst gesperrt

Der mit der giftigen Chemikalie beladene Güterzug war mit insgesamt 18 Waggons auf dem Weg nach Mannheim. Der zweite Güterzug war mit Kali beladen nach Hamburg unterwegs. Wie lange die Bahnstrecke zwischen Hameln und Springe gesperrt sein wird, konnte zunächst nicht gesagt werden. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.


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