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Hier spricht der Boomer Lockdown in Deutschland: Ich will nicht bis Ostern eingesperrt werden!

Berlin: An einem Imbiss am Ferienpark Rübezahl am Müggelsee stehen Stühle und Tische, die mit Absperrband umwickelt sind
Berlin: An einem Imbiss am Ferienpark Rübezahl am Müggelsee stehen Stühle und Tische, die mit Absperrband umwickelt sind. Kleines Bild: Frank Schmiechen, Gastautor des stern.
© Kira Hofmann / DPA
Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass der Lockdown in Deutschland bis April verlängert wird. Das ist der sichere Weg in den wirtschaftlichen und psychischen Abgrund, meint unser Gastautor. Dabei gäbe es Alternativen. 
Von Frank Schmiechen

Ich bin ein guter Bürger. Und ein guter Demokrat. Ich gehe wählen, zahle brav Steuern, halte mich an die Beschlüsse und Regeln, die unsere gewählten Regierungen und Politiker aufstellen. Bis jetzt habe ich mich an alle Corona-Regeln gehalten. Und ich hoffe, dass ich das irgendwie auch in den kommenden Wochen und Monaten hinbekomme. Aber ich habe Angst: Ich will nicht bis Ostern eingesperrt werden! Ich kann nicht mehr. 

Der Lockdown wird mir jeden Tag als alternativlose Maßnahme gegen Corona verkauft. So sollen Infektionen minimiert und noch mehr Opfer vermieden werden. Der Lockdown ist sicher. Ja. Der sichere Weg in den wirtschaftlichen und psychischen Abgrund. 

Was ist mit den Abertausenden Firmen, die gerade pleitegehen? Für sie wäre ein Lockdown bis Ostern das endgültige Todesurteil. Was ist mit den Künstlern? Wer hört meine kleine Tochter, die mich jeden Tag fragt, wann sie endlich wieder ihre Freunde sehen und mit ihnen spielen kann? Wer hört die Menschen, die zu Hause einsam vor sich hinvegetieren? Wer hört die Schulkinder, die Studenten, die jungen Leute, für die das Leben grau, deprimierend und aussichtslos geworden ist?

Es gibt immer nur um den nächsten Lockdown

Der Lockdown ist keine sichere Lösung. Er fordert sehr viele Opfer. Nur gibt es darüber keine täglichen Zahlen wie bei Corona.

Dabei ist er keineswegs alternativlos. Es gibt immer Alternativen, und ich warte auf die Partei und die Politiker, die endlich einen anderen Weg entwickeln und sich dafür im demokratischen Prozess stark machen. 

Wo sind die Politiker, die endlich eine wirksame App auf unseren Smartphones fordern? Es kann nicht sein, dass in Deutschland Datenschutz über ein menschenwürdiges Leben gestellt wird. 

Wer setzt endlich darauf, besonders verletzbare Menschen besser zu schützen und dafür den anderen Menschen wieder mehr Freiheiten zu lassen? Wir wissen doch, dass zum größten Teil alte und kranke Menschen dem Virus zum Opfer fallen. 85 Prozent der Toten waren älter als 70 Jahre. 

Wer hört auf den Ökonomen Thomas Straubhaar: "Mit einem Bruchteil des Geldes, das nun in Rettungsprogramme fließt, könnte man alle Altenheime in Deutschland sichern, alle nötigen Schnelltests samt ausreichend FFP2-Masken-Nachschub oder Impfungen organisieren und obendrein einen exklusiv den Senioren offenstehenden Supermarkt samt Shuttle-Service für alle Alten und deren Pflegekräfte in jedes größere Dorf bauen."

Ich will, dass wir in Deutschland endlich in Massen impfen und nicht nur kleckerweise. Es kann nicht sein, dass sich eine Ärztin in Berlin am Samstag freiwillig zum Impf-Dienst meldet und sie in acht Stunden Dienst nur 20 Mensch impft, weil niemand gekommen ist. 

Aber nein. Es gibt immer nur um den nächsten Lockdown. Nichts anderes. Das geht mir gewaltig auf die Nerven, weil es so fantasielos, unkreativ und schlicht gedacht ist. Ich habe immer geglaubt, dass Deutschland zu mehr in der Lage ist. Jetzt fühlt es sich an, wie ein ewiger Kreislauf des Stumpfsinns – und niemand hat den Mut, diese Spirale zu durchbrechen. 

Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass wir alle bis Ostern festgesetzt werden, besteht die große Gefahr, dass sich die Deutschen nicht mehr an die Maßnahmen halten. Nicht, weil sie Leugner sind oder schlechte Demokraten. Nein, weil sie, wie ich, Angst vor diesen drei grauen, toten Monaten haben. Weil sie einfach nicht mehr wissen, wie sie das schaffen sollen. 

fs

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