Rassistischer Zwischenfall Schüler musste Anti-Juden-Schild tragen


Unfassbare Szene an einer Schule in Sachsen-Anhalt: Jugendliche nötigten am Donnerstag einen Mitschüler, ein Schild mit antisemitischer Aufschrift zu tragen. Der Pressesprecher der Polizeidirektion Stendal schildert auf stern.de den Vorfall.

An einer Sekundarschule in Parey (Sachsen-Anhalt) ist es am Donnerstag zu einem schweren rassistischen Zwischenfall gekommen. Nach Polizeiangaben zwangen Schüler einen 16-Jährigen auf dem Schulhof, ein Schild mit einem rassistischen Spruch zu tragen, der im Nazi-Jargon auf Juden Bezug nimmt. Das Schild hatte die Aufschrift "Ich bin im Ort das größte Schwein, ich lasse mich mit Juden ein".

"Ein Lehrkörper hat während einer Pause das Opfer entdeckt und sofort die Polizei gerufen. Die Tatverdächtigen - zwei 16-Jährige und ein 15-Jähriger - besuchen nicht die gleiche Klasse wie das Opfer, wohl aber gehen alle vier auf dieselbe Schule", sagte Mike von Hoff, Pressesprecher der Polizeidirektion Stendal im Gespräch mit stern.de.

Sachsen-Anhalts Innenminister bestürzt

Zum Stand der Ermittlungen meinte von Hoff: "Die Befragungen der Tatverdächtigen sind am Donnerstagabend angelaufen und werden im Laufe des Freitags fortgesetzt. Zunächst wird gegen die Verdächtigen wegen Nötigung ermittelt. Aber natürlich wird auch der politische Hintergrund geprüft. Der Spruch auf dem Schild hat ganz klar einen nationalsozialistischen Hintergrund. Und irgendwo müssen die das ja her haben." Wie das 16-jährige Opfer dazu gebracht wurde, das demütigende Schild zu zeigen, ist übrigens noch unklar. "Gewalt soll aber nicht angewandt worden sein", so von Hoff.

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann hat sich bereits in einer Pressemitteilung zu dem schlimmen Vorfall geäußert. Er bezeichnete die öffentliche Demütigung des Schülers als einen "abstoßenden Vorgang". Der SPD-Politiker sagte: "In diesem Stil haben NSDAP und SA Menschen nach ihrer Machtübernahme 1933 öffentlich gedemütigt. Es ist erschütternd, dass Heranwachsende in unserem Land glauben, sie könnten sich heute so etwas wieder erlauben."

kbe mit DPA/AP


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