Tipps "Bloß nicht alle Hobbys streichen"


Damit Schule wieder Spaß macht: Zehn Tipps von Beratungslehrer Fritz Felux für gestresste Schüler und Eltern.
Von Catrin Boldebuck

1. Hausaufgaben: Wie viel Zeit ein Kind für Schulaufgaben braucht, ist individuell verschieden. Zwei Stunden pro Tag halte ich für Schüler am Gymnasium für ausreichend. Eltern können viel für einen guten Arbeitsstil tun: Das Kind soll sich in Ruhe auf seine Arbeit konzentrieren. Nicht nebenbei chatten oder Musik hören. In der fünften Klasse brauchen Schüler noch die Unterstützung der Eltern bei den Schularbeiten, ab der sechsten sollten sie zunehmend selbstständig lernen.

2. Wochenplan:

Von geregelten Lernzeiten halte ich nur etwas, wenn das Kind seinen eigenen Plan aufstellt und nicht die Eltern alles vorgeben. Dabei hilft ein Hausaufgabenheft, in das die Schüler jeden Tag ihre Aufgaben eintragen und die erledigten Arbeiten abhaken.

3. Hobbys:

Ich halte gar nichts davon, wenn die Eltern alle Hobbys streichen, damit die Kinder mehr für die Schule tun. Die Kinder brauchen Freiräume, Auslauf und kreative Phasen. Jeden Tag ein anderes Hobby, davon halte ich allerdings auch nichts - das artet in Freizeitstress aus. Und auch den sollten Eltern unbedingt vermeiden.

4. Freunde: Kinder brauchen ihre Freunde. Viele gehen doch nur deshalb gern in die Schule, weil sie dort ihre Freunde treffen. Freunde sind gerade für Jugendliche in der Pubertät wichtig, sie vertrauen ihnen mehr an als ihren Eltern. Meiner Meinung nach reicht es nicht, mit den Freunden am Computer zu chatten oder sie hin und wieder am Wochenende zu treffen. Kinder brauchen den direkten sozialen Kontakt, auch außerhalb der Schule.

5. Wochenende:

Ich gehe davon aus, dass meine Schüler während der Woche lernen und sich auf Arbeiten vorbereiten. Sonnabend und Sonntag sollte vor allem Zeit sein für die Familie, Freunde, Sport und Musik. Oder einfach mal fürs Nichtstun.

6. Schlechte Noten:

Kein Kind schreibt mit Absicht eine schlechte Arbeit. Eine Fünf ist kein Grund zu schimpfen. Wenn bei einem meiner drei Kinder mal ein Test danebenging, haben meine Frau und ich uns immer mit ihnen hingesetzt und geschaut, wo die Fehler lagen. Oft wird den Kindern dabei klar, dass sie es doch können. Das ist wichtig fürs Selbstbild. Ich sage den Eltern immer: Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich anstrengt und etwas erreicht hat. Aber loben sie es nicht bei jeder Kleinigkeit.

7. Prüfungsangst: Einige Schüler haben vor Klassenarbeiten große Angst. Ich empfehle progressive Muskelanspannung: eine Faust ballen, langsam bis zehn zählen, loslassen. Das kann schon helfen, die erste Nervosität zu nehmen. Bei ganz starker Angst sollten die Eltern klären, ob dahinter nicht übertriebene Erwartungen stecken, und auf jeden Fall mit dem Lehrer sprechen.

8. Nachhilfe:

Eltern sollten nicht warten, bis die Wissenslücken zu groß werden. Nachhilfe sollte kurzfristig und gezielt in ein bis zwei Fächern eingesetzt werden, aber nicht zur Dauereinrichtung werden.

9. Klasse wiederholen:

Freiwillig ein Jahr zurückzugehen, das empfehle ich nur in ganz seltenen Fällen, zum Beispiel nach einer langer Krankheit. Das ist ein großer Eingriff in die sozialen Beziehungen. Das sollten Eltern nicht unterschätzen.

10. Schulwechsel:

Wenn regelmäßiges Üben und Nachhilfe nicht mehr helfen, sollten Eltern die Konsequenzen ziehen. Ein Schulwechsel kommt für viele Eltern im ersten Moment nicht infrage. Aber ich sage immer: Es gibt auch andere Wege zum Abitur. Schule ist schließlich nicht alles im Leben.

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