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Berlin erinnert an erste Deportationen von Juden: Von Gleis 17 in den Tod

Heute vor 70 Jahren rollten die ersten Massendeportationen vom Bahnhof Grunewald Richtung Osteuropa. Für 55.000 der 160.000 Berliner Juden endeten diese Fahrten im Konzentrationslager. Die allermeisten von ihnen wurden dort ermordert.

Der 18. Oktober 1941 war der Anfang vom Ende des jüdischen Lebens in Berlin: 1.013 Juden mussten sich an diesem Tag am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald einfinden und einen Zug mit dem Ziel Ghetto Litzmannstadt (Lodz) besteigen. Die Massendeporationen in den Osten hatten begonnen.

Am 70. Jahrestag dieser Tragödie gedenkt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit Schülern aus Deutschland und Israel der Opfer des NS-Regimes. Im Bahnhof Grunewald wollen sie am Gleis 17 weiße Rosen ablegen. Von diesem Bahnsteig rollten bis März 1945 insgesamt 60 Transporte in Richtung Osten. Dabei wurden rund 55.000 der 160.000 Berliner Juden in die Konzentrationslager deportiert, die allermeisten von ihnen wurden dort ermordert.

Erst seit 1998 weist ein offizielles Mahnmal der Deutschen Bahn am Gleis 17 auf die Rolle der Reichsbahn beim Holocaust hin. Beidseits des Gleises wurden Stahlplatten verlegt, die in chronologischer Folge alle Fahrten von Berlin mit der Anzahl der Deportierten und dem Zielort dokumentieren.

Sieben Jahre zuvor hatte der polnische Künstler Karol Broniatowski bereits an der Rampe zum Güterbahnhof eine Betonmauer mit Negativabdrücken menschlicher Körper errichtet. Vorherige Denkmäler, die unter anderem von kommunistischen Gruppen und Kirchengemeinden errichtet worden waren, waren im Laufe der Zeit zerstört worden.

jwi/DPA / DPA
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