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WAS MACHT EIGENTLICH...: ...Lope de Vega

Er schrieb 1500 Comedias und hatte Affären mit nahezu ebenso vielen Frauen. Selbst nachdem er in einen Orden eingetreten war, gaben seine Lenden keine Ruhe

Er schrieb 1500 Comedias und hatte Affären mit nahezu ebenso vielen Frauen. Selbst nachdem er in einen Orden eingetreten war, gaben seine Lenden keine Ruhe

STERN: Sie dürfen sich jetzt »Fray«, Bruder, nennen. Wundert Sie das nicht, bei Ihrem Lebenslauf?

VEGA: Ja, allerdings. Ich habe den Brief, in dem der Papst mich zum Doktor der Theologie ernennt und damit zum Mitglied des Johanniter-Ordens macht, gleich an deren Großmeister auf Malta weitergeleitet - zum Bestätigen.

STERN: Seit 13 Jahren sind Sie nun Geistlicher...

VEGA: ...ich ließ mich 1614 ordinieren, ja.

STERN: Was hat Sie dazu bewogen, diese Laufbahn einzuschlagen?

VEGA: Ich war 52 und wollte einfach Ruhe in mein Leben bringen.

STERN: Warum?

VEGA: Ach, wissen Sie, die Frauen. Im Grunde fing das schon an, als ich auf die Universität von Alcalá de Henares kam. Damals war ich erst 14, aber ich wollte zu den Älteren dazugehören. Und so forschte ich statt auf so drögen Gebieten wie der Esoterik des Raimundus Lullus lieber am lebenden Objekt, der Frau. Später dann, mit 19, schwängerte ich in Madrid versehentlich eine Bäckerstochter und musste mich nach Salamanca absetzen, und seitdem...

STERN: Zweimal waren Sie auch verheiratet. Zuerst mit Doña Isabel de Urbina.

VEGA: Ich musste sie zur Frau nehmen, nachdem sie von mir entführt worden war. Ihr Vater hätte mich sonst ins Gefängnis gebracht. Leider konnte ich an der Trauung nicht teilnehmen.

STERN: Warum heirateten Sie nach Doña Isabels Tod noch einmal? Erstens waren Sie doch eh nie treu, und zweitens soll Doña Juana de Guardo sowohl hässlich als auch geistlos gewesen sein.

VEGA: Stimmt absolut. Aber es war eine Mitgift von 25000 Reales in Doppelsilber versprochen, und die hatte ich bitter nötig. Nur, dass Juanas Vater selbst noch mal heiratete und das Geld nicht zahlte. Stattdessen bekam ich von ihm, der damals königlicher Wurstlieferant war, nach der Hochzeit verbilligte Fleischwaren und wurde zum Gespött von Madrid.

STERN: Sie sind sensationell produktiv und seit Jahrzehnten der erfolgreichste Dramatiker Spaniens - und trotzdem konnten Sie von der Schreiberei nicht leben?

VEGA: Nein. Obwohl ich Ihnen in drei Tagen ein Stück schreibe, in zweien, wenn es sein muss, reicht es nicht. Man wird als Autor einfach unverschämt unterbezahlt. Deshalb war ich zeit meines Lebens gezwungen, als Sekretär bei adligen Herren zu arbeiten.

STERN: Bei welchem waren Sie denn am liebsten?

VEGA: Beim Herzog von Sessa, für den ich auch jetzt noch tätig bin. Er ist 20 Jahre jünger als ich und ein großer Bewunderer meiner Arbeit. An seiner Seite fühle ich mich nie minderwertig, sondern als sei ich selbst adlig. Außerdem hatten wir viel Spaß miteinander, er war ein großer Frauenheld, und natürlich musste ich seine ganze Korrespondenz in Liebesdingen abwickeln - mit imposantem Erfolg, darf ich wohl behaupten.

STERN: Kein Wunder, bei Ihrer Übung. Haben Sie einmal nachgezählt, mit wie vielen Frauen Sie etwas hatten?

VEGA: Lassen Sie die Summe ungefähr so groß sein wie die meiner Theaterstücke - und sie wächst stetig.

STERN: Am Schluss noch eine Frage zur Literatur: Was halten Sie von Cervantes' »Don Quijote«?

VEGA: Hohlköpfig. Holprig. Ganz schlecht.

Mit Lope de Vega sprach Marcel Maerz.

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