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WIKINGER: Das Böse kommt übers Meer

Sie waren brutale Bestien, denen kein Mittel zu grausam war, um Hab und Gut ihrer Opfer an sich zu bringen. Auf ihren Mordtouren töteten sie jeden, der ihnen in die Quere kam, sie berauschten sich am Blut ihrer Feinde und dem Leiden, das sie auslösten.

Sie waren brutale Bestien, denen kein Mittel zu grausam war, um Hab und Gut ihrer Opfer an sich zu bringen. Auf ihren Mordtouren töteten sie jeden, der ihnen in die Quere kam, sie berauschten sich am Blut ihrer Feinde und dem Leiden, das sie auslösten.

Wer liest, was Chronisten über die Raubzüge der Wikinger berichten, der mag kaum glauben, dass es sich bei den skandinavischen Plünderern tatsächlich um Menschen gehandelt haben kann. Akte reinster Barbarei werden da skizziert, ein entsetzliches Ausmaß des Bösen, das seinesgleichen sucht. Diese Schilderungen, verfasst von den wenigen Schriftgelehrten ihrer Zeit, sind sicher mitverantwortlich für die zahlreichen Mythen und Legenden über die nordeuropäischen Seeräuber, die vor über 1.000 Jahren ihr Unwesen trieben - und dafür sorgen, dass unser (vermeintliches) Wissen über jene Ereignisse so groß ist, wie von kaum einer Begebenheit dieser Epoche.

Mittlerweile haben die Historiker das Bild von den Wikingern ein wenig gerade gerückt. Sicher, Mitglieder einer frühmittelalterlichen Heilsarmee sind sie nicht gewesen, die Krieger aus dem Norden. Dass sie in weiten Teilen Europas ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließen, mit ihren Überfällen Leid und Elend brachten, steht außer Zweifel. An der angeblichen Einzigartigkeit ihrer Untaten darf allerdings gezweifelt werden. Schließlich war Karl der Große bei seinen Eroberungsfeldzügen auch nicht gerade zimperlich vorgegangen. Doch der Frankenherrscher war ein Mann christlichen Glaubens - zumindest legte er Wert darauf, als Verfechter des Christentums angesehen zu werden - und somit für die Geschichtsschreiber, fast immer Mönche, auf der »richtigen« Seite. Die Wikinger, die Heiden, waren dagegen die Inkarnation des Bösen, der per Schiff reisende Gottseibeiuns. Kein Wunder, dass die Texte der Gelehrten kein gutes Haar an den skandinavischen Eroberern lassen. Angesichts dieser Hintergründe relativiert sich auch die Darstellung der Wikinger als primitive Wilde. Tatsächlich konnten diese angeblichen Barbaren nicht nur wesentlich bessere Schiffe bauen, als es die Festlandseuropäer vermochten, auch bei der Herstellung von Waffen und der Fertigung von Schmuck sind sie ihren südlichen und westlichen Nachbarn weit überlegen gewesen. Nur mit dem Schreiben haperte es. Leider. Vermutlich wäre unser Geschichtsbild sonst um ein paar Legenden ärmer und um einige Fakten reicher.