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Touristenattraktion in Hongkong Ist die "Jumbo Kingdom" doch nicht gesunken? Besitzer bestreitet Untergang

Die "Jumbo Kingdom" im Hafen von Hongkong
Die "Jumbo Kingdom" im Hafen von Hongkong. Mit 2300 Plätzen und einer Höhe von 28 Metern gilt es als das größte Restaurantschiff der Welt.
© UIG / Imago Images
Der Meldung über den Untergang der "Jumbo Kingdom", einer Hongkonger Touristenattraktion und dem größten Restaurantschiff der Welt, ging um die Welt. Nun bestreitet die Betreiberfirma, dass das Schiff gesunken ist.

Ist die "Jumbo Kingdom" im Südchinesischen Meer gesunken oder doch nur gekentert? Laut mehreren Medienberichte aus Hongkong bestreitet der Besitzer des Schiffs, die Aberdeen Restaurant Enterprises, dass das größte Restaurantschiff der Welt vor den Paracel-Inseln gesunken ist.  Wie die "South China Morning Press" und die "Hongkong Free Press" übereinstimmend berichten, pochte eine Unternehmenssprecherin darauf, dass die "Jumbo Kingdom" am Sonntag nur gekentert, aber nicht gesunken sei. Die Nachfragen, ob das Schiff mittlerweile gesunken sei und wo sich der Unglücksort befinde, konnte sie jedoch nicht beantworten. Es sei aber "fehlerhaft zu sagen, dass das Schiff gesunken ist".

Auch auf die Frage, warum es keinerlei Fotos oder Videos vom Unglücksort gibt, wurden von der Unternehmenssprecherin und einer beauftragten PR-Agentur nicht beantwortet. Die Schiffsdaten des Schleppers "Jaewon 9", der das Restaurantschiff nach Kambodscha überführen sollte, geben ebenso keinen Aufschluss über den möglichen Unglücksort. Auf den gängigen Ortungsportalen wie Vessel Finder stammt die letzte bekannte Position des Schleppers vom 14. Juni südlich von Hongkong – dem Tag, an dem die "Jumbo Kingdom" aus dem Hafen von Aberdeen geschleppt wurde. Laut den Besitzern befinden sich sowohl der Schlepper als auch das Restaurantschiff weiterhin vor der Küste der Paracel-Inseln. Die "Hongkong Free Press" veröffentlichte einen Screenshot, bei dem der Schlepper südöstlich der Inselprovinz Hainan geortet wurde.

In der "South China Morning Post" wies der Betreiber des Schleppers gegen die in Hongkong aufkommenden Täuschungsvorwürfe zurück. Diese seien komplett "lächerlich", sagte Yoon Ju-dong, leitender Angestellter bei der Betreiberfirma, deren Name nicht genannt wird. Laut Yoon seien einige der Auftriebstanks beschädigt worden und hätten dazu geführt, dass Wasser in das Schiff eingedrungen sei. "Die 'Jumbo Kingdom' hat acht Auftriebstanks und ich vermute, dass sie durch die Wellen auf hoher See beschädigt wurden", so Yoon. 

"Jumbo Kingdom": Verwirrende Angaben in Unglücksmeldung

Für Verwirrung hat demnach die erste Mitteilung über den vermeidlichen Untergang des Schiffs am Montag gesorgt. So heißt es in der Mitteilung, dass das Schiff widrigen Wetterbedingungen ausgesetzt gewesen sei, ehe Wasser eingedungen und es gekentert ist – von einem Untergang war jedoch nicht die Rede. In einem weiteren auf Chinesisch verfassten Statement hieß es laut "The Standard", dass die "Jumbo Kingdom" komplett mit Wasser vollgelaufen sei und sich gedreht habe. Jedoch verwiesen die Betreiber in beiden Mitteilung darauf, dass das Wasser an dieser Stelle eine Tiefe von 1000 Metern hat und eine Bergung "extrem schwer" sei. Warum diese Passage in der ersten Mitteilung veröffentlicht wurde, wenn das Schiff gar nicht gesunken ist, konnte die Unternehmenssprecherin auf Nachfrage der "South China Morning Post" jedoch nicht beantworten. Weltweit hatten Medien, darunter auch der stern, vom Untergang des Schiffs berichtet.

Ärger droht der Aberdeen Restaurant Enterprises derweil von Seiten des Marineamts Hongkongs. Diese bestätigte der "South China Morning Post", dass die Besitzer gegen geltende Regularien verstoßen haben könnten, weil sie das Unglück nicht binnen 24 Stunden gemeldet haben. Stattdessen hatte das Marineamt erst über die Pressebericht vom Unglück im Südchinesischen Meer erfahren. Nach Angaben der Besitzer war die "Jumbo Kingdom" am Sonntag gekentert, am Montagabend berichteten die Hongkonger Medien erstmals von dem Vorfall. Das Marineamt forderte einen Bericht über den Unfall an, den es laut einer Mitteilung am Donnerstag erhalten hat. In der auf Chinesisch verfassten Mitteilung wird auch erwähnt, dass sich die "Jumbo Kingdom" noch "auf dem Wasser vor den Paracel-Inseln" befindet.

In der "South China Morning Post" kritisierte ein ehemaliger Angestellter des Marineamts, dass die "Jumbo Kingdom" überhaupt auf hohe See gebracht wurde. Das Schiff sei wegen seiner Struktur nur bedingt seetauglich und nicht dafür gedacht, auf hoher See zu sein. "Es hätte eigentlich in ruhigem Gewässer fahren müssen, um unversehrt sein Ziel zu erreichen. Er bezweifle, dass das Schiff geborgen werden könne, da es sich im Wasser gedreht habe und durch das Eindringen des Wassers eine nach abwärts gerichtete Kraft auf das Schiff einwirke. "Das führt dazu, dass das Schiff sinkt."

"Jumbo Kingdom" mit Schuldenberg in Millionenhöhe

Das 1976 eröffnete Restaurantschiff mit Platz für 2300 Gäste war in den vergangenen Jahren wenig profitabel. Seit 2013 hatte es Verluste eingefahren und war mit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 geschlossen worden. Ende Mai teilten die Betreiber mit, dass das Schiff in eine Werft geschleppt werden soll. Wohin, war zunächst nicht öffentlich bekannt. Das Marineamt teilte am Dienstag mit, dass eine Werft in Kambodscha jedoch das Ziel des Schiffs gewesen sein soll. In ihrer Mitteilung macht die Besitzer auch die riesigen Verluste des Schiffs mit verantwortlich für den Verlust des Hongkonger Wahrzeichens. Demnach war im Zuge der hohen Unterhaltskosten, der Protestbewegung 2019 sowie der Corona-Pandemie der Schuldenberg auf 12 Millionen Euro angewachsen. Auch die geplante Übernahme durch einen Vergnügungspark im Hongkonger Stadtteil Aberdeen schlug fehl. Bereits Anfang Juni war das Beibott, auf dem sich die Küche der "Jumbo Kingdom" und der Schwesterschiffs "Tai Pak" befand, im Hafen von Aberdeen gekentert.

Dass die "Jumbo Kingdom" doch noch gerettet werden kann, ist jedoch zweifelhaft. "The Standard" berichtete am Freitag, dass die Firma des Schleppers eine Bergung für unmöglich halte. Stattdessen seien die Besitzer und die Versicherer des Schiffs in Gesprächen, die "Jumbo Kingdom" sicher im Meer versinken zu lassen.

Quellen: South China Morning Post, Hongkong Free Press, The Standard


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