Al Maha, Dubai Der Lockruf der Wüste


Wo vor zwei Jahrzehnten höchstens Wüstenkamele durch den Sand trabten, steht heute eines der luxuriösesten Wüstenresorts der Welt. stern.de-Autor Oliver Jacobi schwelgte drei Tage im Luxus.

Tony Williams ist ein ganzer Kerl. Ursprünglich von Südafrika kommend arbeitet er schon seit vielen Jahren in Dubai. Genauer gesagt für die königliche Familie. Er hat die sich in atemberaubender Geschwindigkeit vollziehende Metamorphose des Emirates von Anfang an mit geprägt. Toni war schon in Dubai als es noch ein Wüstenstaat mit schier unerschöpflichen Ölreserven war. Das hat sich geändert, wie sehr vieles im Reich der geschäftstüchtigen Wüstenfürsten. Heute entsteht eine Glitzermetropole aus der Retorte am Persischen Golf.

Von dort, wo ambitionierte Bauvorhaben immer neue Rekorde brechen, wo Presslufthämmer und Schlagbohrer für eine permanente Geräuschkulisse sorgen, hat sich Tony Williams zurückgezogen. Mitten in die Wüste ist er gegangen und hat ein Stück neues Leben geschaffen. In einem 225 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet 456 Kilometer südöstlich von Dubai liegt Al Maha, das von Tony gemanagt wird. Korrekt gesagt das Al Maha Desert Resort & Spa. Ein Ort, der Lebensart und durch Schlichtheit faszinierende Schönheit der Natur unprätentiös miteinander verbindet.

Die Wüste lebt mit zwingender Intensität

Den Farben der Wüste angepasst fügt sich das Resort durch seine Architektur in die Umgebung ein und erinnert an ein traditionelles Beduinen-Camp, in dem sich die Wohneinheiten um eine zentrale Quelle verteilen. Anders als die Hotels in Dubai City will Al Maha in seiner Umgebung optisch gar nicht auffallen. Für Tony hat der Schutz des einzigartigen Öksystems oberste Priorität. Das lässt er sich etwas kosten: 5 Prozent der Umsätzerlöse fließen in den Umweltschutz. Ziel ist es, die außergewöhnliche Schönheit dieser Wüstenlandschaft für ein interessiertes Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig zu bewahren. Bedrohte Tierarten wie der Arabische Oryx und die Säbelantilope werden hier nicht nur geschützt, sondern auch nachgezüchtet - mit Erfolg. Schon heute wandert hier die größte Antilopenherde der Welt durch den heißen Sand. Für die Gäste bietet dieses Engagement bewegende Erlebnisse in einer Umgebung, wie sie in dieser Kombination weltweit einzigartig ist. In Al Maha werden weder Tagesbesucher noch Kinder unter 12 Jahren akzeptiert. Tony will damit für eine Atmosphäre vollendeter Diskretion und Privatsphäre sorgen, die es den Gästen ermöglicht, komplett abzuschalten und die Romantik der arabischen Wüste zu entdecken. Dazu hat man reichlich Gelegenheit. Toni erzählt von Gästen die mit einen reichlich gedeckten Tisch kilometerweit vom Hotel mit sich und dem Leben um sie herum für Stunden allein gelassen wurden. Die schier unendliche Weite zwingt zu einer intensiveren Wahrnehmung und Selbstreflexion. Grenzerfahrungen, die nachhaltig beeindrucken.

Wiederholungstäter

Al Maha war konzipiert für einen kurzen Aufenthalt, den man sich einmal im Leben gönnt. Tony Williams kennt viele Wiederholungstäter. Selbst Wirtschaftkapitäne bedeutender Unternehmen sammeln in diesem Fluidum offenbar sehr schnell neue Kraft. Als Rückzugsmöglichkeit für wichtige Verhandlungen - inkognito oder unter vier Augen - stellt Al Maha den Rahmen für einen entspannten Austausch und gute Ergebnisse. Es wäre aber ein Irrtum anzunehmen, dass es sich um eine reine Business-Klientel handelt. Gerade die Mischung macht es. Davon ist Tony Williams überzeugt. Eine Patchwork-Community, von der malenden Künstlerin über das Honeymoon-Glück bis zur alleinstehenden Naturforscherin und dem Vorstandschef eines Dax-Wertes, sucht für eine kurze Zeit die Einsamkeit der ewigen Wüste.

Oliver Jacobi

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