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Magath zu Schalke: "Wir haben ihn emotional aufgeladen"

Wolfsburgs Erfolgscoach Felix Magath wechselt nach der Saison zum Bundesliga-Konkurrenten FC Schalke 04. Am Mittwochvormittag hat der Trainer seine Mannschaft darüber informiert. Auf Schalke wird Magath Trainer und Manager in Personal-Union. Bei den Königsblauen freut man sich diebisch über den Coup - und bastelt bereits am nächsten.

Felix Magath ist dem Lockruf seiner heimlichen Liebe FC Schalke 04 gefolgt und soll den Traditionsclub als starker Mann zu langersehnten großen Erfolgen führen. Der 55 Jahre alte Fußball-Lehrer beendete am Mittwochmorgen die wochenlangen Spekulationen und erklärte den nicht mehr überraschenden Abschied vom VfL Wolfsburg zum Saisonende. Nur wenige Stunden später bestätigte der Revierrivale, dass Magath einen vom 1. Juli 2009 an geltenden Vierjahresvertrag als Trainer und Manager erhält. Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies verkündete den Coup mit Stolz und Genugtuung. "Er ist die erstklassige Lösung, die wir angekündigt haben. Er wird den Verein nachhaltig auf Erfolgskurs bringen", sagte Tönnies, dem Magath schon kurz nach Schalkes Trennung von Manager Andreas Müller vor Wochen "per Handschlag" sein Kommen zugesagt hatte.

"Es geht Magath um die Emotion. Ich habe ihn emotional aufgeladen", betonte Tönnies, und hob den besonderen Reiz und die Atmosphäre des Reviervereins mit seinen Fans, dem Umfeld und der großen Arena hervor: "Schalke ist nicht Wolfsburg. Schalke ist Schalke. Und genau darum ging es Magath."

Magath als Missionar bei Wolfsburg am Ziel

Schon am Morgen hatte der VfL-Trainer erst dem Team und dann der Öffentlichkeit seinen Abschied aus der VW-Stadt mitgeteilt, der "seit Wochen klar" gewesen sei. "Wir haben die uns gesteckten sportlichen Ziele wesentlich schneller erreicht, als wir es gemeinschaftlich im Sommer 2007 bei meinem Amtsantritt formuliert haben", sagte Magath in einer VfL-Mitteilung. Vor seinem Wechsel ins Revier will der Coach mit den vier Spieltage vor dem Saisonende auf Platz eins stehenden "Wölfen" noch das große Ziel verwirklichen und erstmals den Meistertitel nach Wolfsburg holen.

Mit diesem Triumph sehe Magath, der bereits 2005 und 2006 mit Bayern München "Double"-Sieger war, seine Mission beim VfL gekrönt. "Das Ziel ist erreicht, den Verein nach oben zu führen. Die Mannschaft ist jung, weiterhin entwicklungsfähig und perspektivisch an den Club gebunden", sagte Magath.

Alle Macht auf Schalke

Trotz vieler Gespräche mit dem VfL-Aufsichtsrat blieb eine Einigung aus. Dass man am Ende nicht gerade einvernehmlich auseinandergeht, ließ Magath durchblicken: "Es gab gute Gründe für meine Entscheidung. Ich habe den Glauben daran verloren, dass man langfristig bei einem Verein arbeitet. Wenn es dann nicht mehr so läuft, wird einem der Stuhl vor die Tür gesetzt." Gleichwohl sagte der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Pötsch, man sei Magath "zu großem Dank verpflichtet. Er hat innerhalb sehr kurzer Zeit außerordentlichen sportlichen Erfolg mit dem VfL realisiert."

Nun wird Magath in Gelsenkirchen der rote Teppich ausgerollt. Beim gebeutelten Revierclub, der in der laufenden Spielzeit alle gesetzten Saisonziele verpasst hat, wird der als Disziplinfanatiker bekannte Coach mit ähnlichen Kompetenzen ausgestattet wie in Wolfsburg. Er wird nicht nur in Doppelfunktion als Cheftrainer und Manager arbeiten, sondern neben Geschäftsführer Peter Peters und Präsident Josef Schnusenberg drittes Vorstandsmitglied.

Büskens und Co. sollen bleiben

Tönnies bestätigte, dass auch mit VfB Stuttgarts Manager Horst Heldt weiterverhandelt werde: "Der Verein ist so groß, dass wir für ihn Verwendung hätten. Das ist in der Pipeline, aber nicht abgeschlossen." Allerdings verweigerte VfB-Präsident Erwin Staudt laut der Zeitung "Die Welt" (Donnerstag- Ausgabe) die Freigabe. "Heldt gehört zum VfB und bleibt bei uns", erklärte Staudt.

Tönnies möchte zudem, dass das bis zum Saisonende beim Tabellen- Siebten tätige Trainer-Trio, Michael Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck, in anderer Funktion bleibt. "Wir wären ja dumm, wenn wir so gute und loyale Mitarbeiter nicht weiter einbinden würden. Sie haben einen Platz auf Schalke."

Kein Wort über Magaths Verdienst

Größer als bei den seit 1958 vergeblich auf die Meisterschale hoffenden "Königsblauen", die nacheinander Manager Andreas Müller (9. März) und Trainer Fred Rutten (26. März) beurlaubt hatten, könnte die Herausforderung für Magath kaum sein. Dass ihn Schalke gleich mit einem Vertrag bis 2013 ausstattete, dokumentiert, wie groß das Vertrauen der Club-Verantwortlichen in die Künste des passionierten Schachspielers ist. Ob ihm auf Schalke ähnliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden wie in Wolfsburg, wo Magath in zwei Jahren mehr als 30 neue Spieler für geschätzte 55,5 Millionen Euro holte, ist ungewiss.

Immerhin fehlen Schalke, das den Einzug in einen europäischen Wettbewerb in dieser Spielzeit wohl nicht mehr schaffen wird, Einnahmen in Millionenhöhe. Präsident Josef Schnusenberg bestätigte am Mittwoch, dass der Etat für die Lizenzspieler-Abteilung "um acht bis zehn Millionen Euro gesenkt" werde. Über Magaths Verdienst schwiegen sich beide Seiten aus. Tönnies betonte aber, dass an den gehandelten Gehaltszahlen für Magath "nichts dran" sei.

Spieler freuen sich auf den neuen Coach

Von den Schalker Spielern wird Magath mit offenen Armen empfangen. "Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Trainer. Er hat schon Meisterschaften gewonnen", lobte Heiko Westermann. Sein Nationalmannschaftskollege Jermaine Jones schwärmt geradezu vom neuen Mann: "Er ist ein hervorragender Trainer. Ich habe schon in Frankfurt mit ihm zusammengearbeitet. Seine Mannschaften, die er zuletzt betreut hat, haben immer auch international gespielt und waren immer topfit."

DPA/sid/kbe

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