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Per Anhalter auf Flusskähnen: Wo die Elbe strudelt, wirbelt, schäumt

Die Elbe ist einer der letzten ungebändigten Ströme Mitteleuropas. Unser Autor Michael Obert hat sich auf ihr treiben lassen, von Tschechien bis zur Mündung in die Nordsee. Eine mehr als 1000 Kilometer lange Abenteuerfahrt mitten in Deutschland.

Flussufer mit Frachtschiff

Das tschechische Frachtschiff "Bohemia 2" nimmt Michael Obert in Riesa auf

Ich wollte die Elbe bei ihrer Geburt berühren und meine Hände in ihr Wasser tauchen, um davon zu trinken. Doch die Quelle liegt unter einem metertiefen Schneefeld. Kalte Böen beugen die silbergrauen Gräser des Gipfelmoores am Hauptkamm des tschechischen Riesengebirges, nahe der polnischen Grenze. Da legt sich der Wind, ein leises Gluckern ertönt. Ich folge ihm zum Rand des Schneefeldes: Wasser.

Überall quillt es aus dem Boden, sammelt sich im Gras, beginnt auf verschlungenen Wegen zu fließen, in eine Senke, in der ein Steinbecken unter dem Schnee den Geburtsort des Flusses nur symbolisiert. Die Elbe erwacht in vielen Rinnsalen zum Leben. Die Elbe. Eine Lebensader mit unbändigen Kräften, schön und grausam zugleich, eine Naturgewalt, die in Jahrhundertfluten zerstört, was ihr im Wege steht, die Städte überschwemmt, Deiche sprengt, Land erobert. Der letzte ursprüngliche Strom Deutschlands - dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los.

An der Quelle der Labe

Und da stehe ich nun, im Riesengebirge oberhalb des Ortes Špindlerův Mlýn, 1386 Meter über dem Meer. Auf einem Bergpfad folge ich der Labe, wie die Elbe in Tschechien heißt. Schmelzwasser strömt aus dem Dickicht und lässt die Elbe allmählich anschwellen. Zwei Tagesreisen flussabwärts mündet die Moldau in die Elbe. Für das Binnenland Tschechien ist die Elbe via Hamburg die einzige schiffbare Verbindung zu den Weltmeeren.

Das schwarzbraune Wasser lässt keine Strömung erkennen, dicke Algenteppiche dümpeln, vom Faulschlamm auf dem Grund steigen Gasblasen auf. Ich wollte auf einem ursprünglichen Strom reisen und finde mich auf einem Industriekanal wieder. Im Hafen von Mělník habe ich Glück: Das tschechische Frachtschiff "Albis" nimmt mich mit. 300 Kilometer unterhalb des Quellgebiets öffnet sich das massive Stahltor, die Maschinen der "Albis" brausen auf und schieben uns hinaus - auf einen völlig anderen Fluss. Endlich: Die Elbe strudelt, wirbelt, schäumt.

Fremder als in Afrika

Nach Dresden nimmt mich der Schaufelraddampfer "Meissen" mit. Mit lautem Dampfsignal fährt sie unter einer Stahlbrücke ohne Zwischenpfeiler durch, dann feiert die Elbe ihren großen Auftritt - am linken Flussufer erhebt sich das historische Zentrum Dresdens. Kaum an Land, gerate ich auf dem Schlossplatz in eine aufgebrachte Menge. Mehrere Tausend Menschen schwenken Fahnen und Spruchbänder: "Wir haben die Schnauze voll: Stopp Islam + Asylanten!".

Ich suche nach einem ursprünglichen Strom in Deutschland, nun muss ich mich aus dem Strom der Verzweifelten, Verlierer, Rassisten und Idioten kämpfen. Deutschlandfahnen schlagen mir ins Gesicht. Das erste Mal in meinem Leben bereise ich das eigene Land - und fühle mich fremder als in Afrika.

Rückläufiges Frachtaufkommen

Bis Riesa komme ich noch mit einem Dampfer; dann ist vorerst Schluss. Innerhalb weniger Tage sind die Pegel um die Hälfte gefallen. An bis zu 126 Tagen im Jahr ist die Passage für Schiffe, die eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter benötigen, gesperrt. Kein einziges Schiff ist zu sehen. Wie eine Halluzination pflügt am nächsten Morgen das Frachtschiff "Bohemia 2" um die Biegung des leeren Flusses. Die Besatzung gibt Signal und legt an. Für die Schifffahrt ist die Elbe unberechenbar.

Seit den 1990er-Jahren werden die Niedrigwasser immer häufiger. Das Frachtaufkommen hat seinen historischen Tiefstand erreicht: Nur 0,4 Millionen Tonnen wurden auf der Elbe bei Magdeburg vergangenes Jahr noch transportiert – 80 Prozent weniger als 1998. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung werden sich die Niedrigwasserperioden in Zukunft durch die Erderwärmung noch verschärfen. Das Gerede über einen weiteren Ausbau der Elbe ist in jeder Hinsicht absurd.

Der Pegel sinkt und sinkt

Am nächsten Mittag gehe ich in Dessau von Bord. Damals leiteten hier Fabriken ungefiltert Schadstoffe in den Fluss. Die Sandbänke waren schwarz, die meisten Fische starben. Die Aale hatten schlimme Wucherungen und waren wegen des bitteren Chemiegeschmacks ungenießbar. Die Elbe galt als schmutzigster Fluss Europas. Nach der Wende reinigte sich die Elbe selbst. Heute gehört sie mit seltenen Arten wie Meerforelle, Lachs und Stör wieder zu den fischreichsten Flüssen Europas.

Michael Obert auf dem Schiff

Eine Entdeckungsreise auf einem deutschen Gewässer? Michael Obert war skeptisch, ob die Elbe viele Geschichten zu erzählen hat.


Für mich wird es immer schwieriger, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Der Pegel der Elbe sinkt und sinkt. Ich habe bei einem Bootsverleih schon ein Kanu reserviert, da meldet sich das Wasserschifffahrtsamt zurück: Bei Tagesanbruch holt mich Gernot Quaschny mit dem Boot ab. In Schnackenburg, der östlichsten Gemeinde Niedersachsens, beginnt ein finsteres Kapitel der Elbgeschichte. Auf beinahe 100 Kilometern trennte der Fluss hier vier Jahrzehnte lang die beiden Deutschlands. Flucht. Vor Unrecht, Unterdrückung, Gewalt. Über eine Stunde hat Wilhelm Jahnke geredet. Jetzt schweigt er und kämpft mit den Tränen.

Nach 1094 Flusskilometern

Bei Lauenburg, am Hebewerk Scharnebeck erwische ich ein Containerschiff nach Hamburg. Wenig später begegnen uns draußen auf dem Fluss Containerschiffe, Öltanker und Frachter mit Maschinenteilen, Kohle und Sojaschrot. Schwimmbagger halten die Fahrrinne frei. Die Elbe wird zur betriebsamen Wasserstraße. Grau wie eine Bleistiftzeichnung liegt sie nun vor mir, unter einem dunklen Himmel mit leichtem Silberglanz behaftet - die Stadt, die wie keine andere ihren Reichtum der Elbe verdankt: Hamburg.

Ich war aufgebrochen, um auf der Elbe das Ursprüngliche, Ungezähmte zu finden, nun liege ich in einer Wildnis mitten im Hamburger Hafen und spüre ganz deutlich, wie etwas in mir zur Ruhe kommt. Nach 30 Tagen, 1094 Flusskilometern und einem Dutzend Booten und Schiffen sind die Ufer der Elbe verschwunden. Vor mir liegt der sanft geschwungene Horizont der Nordsee - am Rand des Atlantischen Ozeans.

Gekürzte Fassung aus National Geographic Deutschland, Ausgabe September 2015

Michael Obert

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(