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Debatte auf Twitter: Bahnreisender will Ticket seines Sitznachbarn sehen, weil der nicht nach "Erster Klasse" aussieht

Wer die Erste Klasse bei der Deutschen Bahn bucht, erhält mehr Platz, Tageszeitungen und mehr Ruhe für sein Geld. Nun erwartete ein Passagier wohl aber auch einen gewissen Dresscode und verlangte, das Ticket seines Nachbarn zu sehen. Dann holte er den Schaffner.

Es gab mal eine Zeit, da konnte man Menschen an ihrer Kleidung ansehen, aus welchem Grund sie mit der Bahn fahren. Anzugträger mit Lederschuhen und Aktenkoffer saßen in der Ersten Klasse, lasen Zeitung und das Ticket hatte der Arbeitgeber bezahlt, für den sie unterwegs waren. In der Zweiten Klasse tummelten sich eher die Menschen, die privat unterwegs waren. Heutzutage jedoch gibt es nur noch wenige Berufszweige, in denen man Anzug trägt. Meist haben sie mit Geld oder Politik zu tun, mit Banken, Börsen oder Bundestag. In vielen anderen Berufen kann man anziehen, worauf man Lust hat. Und natürlich darf nach wie vor jeder auch privat Erste Klasse fahren und muss dafür kein Goldkettchen tragen. 

Es gibt aber Menschen, die glauben, einem anderen anzusehen, dass er sich unrechtmäßig einen Platz in der Komfortzone ergattert hat. Das, berichtet Twitter-User Westfuchs, sei ihm wiederfahren. Ein Sitznachbar in der Bahn verlangte demnach, sein Ticket zu sehen. Westfuchs zeigte es ihm auf seinem Handy, was, ehrlich gesagt, schon viel zu freundlich für eine solche Unverschämtheit ist. Ticket im Handy? Das ist doch Quatsch, muss der Nachbar gedacht haben. Jedenfalls war es ihm so suspekt, dass er den Zugbegleiter holte. Er wollte den vermeintlichen Schwarzfahrer offenbar auf frischer Tat ertappen und denunzieren.

Tausende Reaktionen der Twitter-User

Die Äußerung "So sehen Sie aber gar nicht aus" hat zu Recht tausende User aufgeregt. In den Kommentaren entspann sich eine Diskussion, nach welchen Kriterien man Menschen ansieht, ob sie ihr Ticket bezahlt haben oder Schwarzfahrer sind. Die Arroganz des Reisenden, der seinen Mitreisenden auffliegen lassen wollte, sowie die "Übergriffigkeit" und die "falsche Verdächtigung" empörte sie.

Andere bestätigen ähnliche Erfahrungen in der Ersten Klasse. Es scheint nicht nur einen Fahrgast zu geben, der das Gefühl hat, dort sei man "unter sich" und wer anders aussieht, gehöre dort nicht hin. Auch 2019 noch. Man nennt sie wohl die ewig Gestrigen oder – trotz Bahnfahrt – stehengeblieben.

ICE Zug
bal
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